Pangäa
Donnerstag, 7. Dezember 2006
Planet Sippar (Erde)
Krieg der Götter
Enlil befand sich auf der Orbitalstation "Aranat" und beobachtete aus einem Sichtfenster die unter ihm liegende Erde.
Hass quoll in ihm auf, als er den bläulich schimmernden Planeten unter sich sah, der eigentlich eine relativ kurze Rohstoffmission werden sollte. Doch mittlerweile hatte sich das Ganze weit über die unabsichtliche Entwicklung einer Zivilisation weiterentwickelt und war zu einem offenen Aufstand einiger Elohim unter der Führung seines Bruders Enki geworden.
"Feuer" sagte er in ein kleines Kommunikationsgerät, dass er sich um den Nacken geschnallt hatte und kurz darauf erschien ein heller Lichtpunkt in der Nähe der Yucatan-Halbinsel in Mittelamerika. Es war nur ein winziges Flackern doch Enlil stellte sich die zerstörerische Kraft der Nuklearwaffe vor, die er gerade auf eine vermutete Basis der Nephilim, der Abtrünnigen und Ausgestossenen, abgefeuert hatte. Das würde hoffentlich Enki eine Lehre sein.
Nicht nur, dass Enki sich mit diesen niederen Lebewesen verbündet und seinem Bruder offen den Krieg erklärt hatte, nein, also ob das nicht genug wäre, half Enki nun den Lulus auch bei dem Umgang mit den Waffen der Elohim, um sie in den Kampf miteinzubeziehen.
Andere Stämme und Völker der Lulus hatten sich Enlils Seite angeschlossen und so fand nun auch ein Krieg der Lulus auf Sippar statt, geführt mit primitiven Streitwägen und Speeren.
Enlil kümmerte das jedoch wenig.
Er hatte bereits jegliches Mitleid für die Schöpfung der Elohim abgestreift und war nur noch wütend. Wütend darüber, dass er hier solange auf Sippar sein konnte und nicht zuhause bei seiner Tochter. Wütend darüber, dass der Kontakt zur Heimatwelt abgebrochen war. Wütend darüber, dass er nicht wusste, ob er diesen Krieg gewinnen würde und wie das die Beziehung zu seinem Bruder Enki beeinflussen würde.
Doch bald würde ihn das nicht mehr kümmern. Der geplante Einsatz von Nuklearwaffen verlief besser als geplant. Manche wurden an bestimmten Stellen abgeschossen, die vollkommen unbewohnt waren und es schien so, so hoffte er, dass dies Blindgänger waren. Doch diese zusätzlichen Nuklearexplosionen würden zur Erwärmung des Planeten beitragen und das ewige Eis, das derzeit große Teile der Nordhalbkugel bedeckte, zum Schmelzen bringen.
Enlil würde einfach alle Lulus ertrinken lassen und damit hätte sich dieser Streit dann beigelegt.
In Südafrika, in einer kleinen unterirdischen Station nahe der Minen, ging Enki nervös auf und ab. Er wusste, es stand schlecht um ihn in diesem Zwist. Die ausgestossenen Elohim konnten nicht auf die Reserven von Enlils Elohims zurückgreifen und ihnen blieben nur 3 Orbitalstationen übrig. Die restlichen 17 Anlagen, manche davon gewaltiger als alle 3 der Nephilim, waren unter Enlils Herrschaft und beherbergten tausende von kampfbereiten Elohimschiffen.
Außerdem irritierten ihn die wissenschaftlichen Berichte. Der Planet erwärmte sich konstant und es schien nicht zu stoppen zu sein. Das ewige Eis würde schmelzen und nach den Berechnungen der Elohim würde das Schmelzwasser alles Leben auf dem Planeten auslöschen.
Enki packte einige Pläne ein und bestieg ein Merkabha, mit dem er zu einer menschlichen Siedlung nahe des ehemaligen Labors "Eden" flog, dass nun mittlerweile zerstört unter Tausenden von Tonnen Erdreich lag. Als er ankam, schritt er rasch durch die Gassen und ignorierte alle Menschen, die sich ehrwürdig vor ihrem Gott niederwarfen. Er erkundigte sich nach dem Aufenthalt von Noe und fand den Menschen schließlich auf einer Wiese stehend, Schafe hütend.
"Noe" rief Enki schon von Weitem.
Noe hört die Stimme, drehte sich bedächtig um und fiel dann erschrocken auf die Erde, sein Gesicht fast den Boden berührend.
"Das ist nicht nötig, steh auf Noe" sagte Enki schließlich, als er ankam und Noe auf die Beine half.
"Großer Gott Enki, was verschafft mir Unwürdigem die Ehre?" fragte Noe.
"Du bist ein gottgläubiger Mann und treuer Anhänger meinerseits. Deshalb habe ich eine besondere Aufgabe für dich. Hier," sagte Enki und reichte Noe dabei die mitgebrachten, für Menschen verständlich geschriebenen Pläne, "du musst dieses Schiff bauen. Die nötigen Materialien dafür kannst du dir in Larak-Stadt abholen, die Seraphim dort werden sie dir zeigen und beim Bau helfen. Dann nimm die kleinen Behälter gefüllt mit Blut der Tiere an dich, verstaue sie all in dem Schiff, bring deine Frau und Kinder mit und besteige es in 4 Monaten und 3 Tagen, hörst du?"
Noe sah ihn verwirrt an, doch wagte nicht, ob seiner Zweifel diesen Anweisungen gegenüber, irgendein Widerwort zu leisten.
"Ja oh Herr!" antwortete er Enki, "Doch wozu?"
"Gott Enlil wird eine Flut als Strafe schicken" erfand Enki, um die Tatsachen plausibel für den Menschenverstand darzustellen, "diese Flut wird die Welt überschwemmen und alles Leben vernichten. Doch mit diesem Boot, diesem Schiff, kann das Leben weitergehen".
Noe, der noch immer verwirrt aussah, wagte nicht die Worte des Gottes Enki anzuzweifeln und nahm die Pläne an sich.
"Ich werde dieses Schiff tapfer für meinen Gott Enki steuern!" sagte er mutig.
"Das ist gut. Beeile dich mit dem Bau und gehe rasch nach Larak-Stadt. JETZT" befahl Enki und Noe eilte davon, um seiner Frau und seinen Kindern die freudige Botschaft ob der großen und wichtigen Mission des Gottes Enki beizubringen.
"Das Schiff steuern. Natürlich..." dachte sich Enki, als er zurück zu seinem Merkabha ging. "Wenn wir wirklich einem Menschen die Kontrolle überlassen würden, würde das Unterseeboot innerhalb von Sekunden gegen einen Berg rasen. Nein lieber Noe...du bist nur ein genetisches Transportmittel für die Gene der Menschen und zur Überwachung der Blutproben der Tiere...".
Offenes Weltall
Die Nemesis raste mit Höchstgeschwindigkeit zurück nach Sippar. Enlil hatte ihnen, aufgrund des langen Ausbleibens des Kontaktes zur Heimatwelt, befohlen hinzufliegen und nachzusehen was das Problem sei. Mammi, Kommandantin der Nemesis, war auf Vieles gefasst gewesen. Doch nicht auf das, was sie bei ihrer Ankunft gesehen und was die Daten erfasst hatten.
Antimateriewaffen?!
Ihr Volk hatte sich wirklich weiter entwickelt, während sie zusammen mit Enlil und anderen auf Sippar tätig waren.
Weiterentwickelt und vernichtet.
Das trifft es leider besser.
Alhym - 7. Dez, 19:18
Dienstag, 5. Dezember 2006
Gegenwart
Astralplanet Tempus Morti
Im Ankommensbereich neuer Seelen auf Tempus Morti herrschte reges Treiben.
Unzählige, frisch verstorbene Seelen strömten über einen großen Platz. Bereits gestorbene und noch nicht wiedergeborene Angehörige trafen freudig alte Bekannte und Tutoren halfen den frisch gestorbenen Seelen bei der "Einbürgerung" auf Tempus Morti beziehungsweise mit dem generellen Umgang mit dem Konzept "Okay ich bin tot, was nun?".
Einer dieser Tutoren bemerkte eine Frau, die immer wieder ihren Blick in der Menge der Seelen hin und her schwenken ließ. Offenbar, so dachte der Tutor, war diese Frau verwirrt und seiner Aufgabe folgend, schritt er zu dieser Frau und begrüßte sie freundlich.
"Hallo und willkommen im Jenseits. Nun, der Virgo-Version davon" sagte er zu ihr.
"Danke" erwiderte die Frau und konzentrierte sich dabei noch immer auf die Menge vor ihr.
Der Tutor, der es gewohnt war, dass junge Seelen verwirrt um sich sahen und nicht alle Konzentration auf ihn richteten, fuhr souverän und routiniert fort "Kann ich dir irgendwie behilflich sein?"
"Hm" überlegte die Frau kurz. "Ja wieso nicht? Ich frage mich, was diese bewaffneten Personen da sind. Sind wir hier Gefangene?"
Dies war ein heikles Thema, doch der Tutor war geübt in diesen Dingen.
"Sie dienen bloß zum Schutz und zur Kontrolle von, sagen wir mal, allzu übereifrigen Seelen"
"Ich traue ihnen trotzdem nicht" antwortete ihm die Frau skeptisch.
"Wieso nicht?"
"Ich kenne sie doch kaum, vielleicht haben sie ganz andere Pläne" sagte die Frau daraufhin.
"Dann komm mit, wir sprechen kurz mit einem der Wächter" sagte der Tutor und die Frau folgte ihm aufs Wort. Er konnte ein Lächeln auf ihren Lippen erkennen und interpretierte das als ein Lächeln aufgrund von einem beruhigten Gewissen. In ein paar Momenten würde er sehen, wieso die Frau wirklich lächelte.
Unbemerkt bewegten sich weitere Seelen durch die Menge, einige folgten der Frau, andere positionierten sich gegenüber anderen Wachen und wartetend, die Situation und die Frau genau beobachtend.
Als der Tutor bei dem Wächter angekommen war, lächelte dieser bereits, ebenfalls routiniert, den Tutor und die Frau an.
"Aufmerksamkeit auf uns, begrüßende Geste, perfekte Gelegenheit" dachte sich die Frau und sprang in Richtung des überraschten Wächters, stieß ihn um und schnappte sich seine Emotionswaffe.
"Jetzt!" rief sie daraufhin laut, als sie den verwirrten Tutor mit einer negativen Emotion anschoss und weitere Seelen die Verwirrung ausnutzten und Wächtern ihre Waffe abnahmen.
Wild umherschießend, bahnten sich die Seelen einen Weg zu der Frau, die sich mit gezielten Schüssen voller Einsamkeit, Angst und Terror einen Respektabstand zu anderen Seelen verschaffte.
"Das hat ja gut geklappt!" sagte einer der Seelen zu der Frau.
"Natürlich" antwortete Mammi, "mit sowas haben die hier nicht gerechnet" und schoss einen herannahenden Wächter mit "Schmerz" nieder.
"Folgt mir, wir müssen zum Waffendepot und soviel wie möglich an Waffen mitnehmen!" befahl Mammi den Elohim und diese schossen sich einen Weg zu einer Lagerhalle in der Nähe des Ankunftsplatzes.
Dort stehende Wachen waren ein leichtes Ziel für die im Krieg geübten Elohim, als diese sich hinter Objekten verschanzten und eine Wache nach der anderen ausschalteten, langsam in Richtung Lagerhalle vordringend.
"Weiter! Schneller!" rief Mammi.
Als die letzten Wachen fielen, stürmten die Elohim die Lagerhalle und entledigten sich der letzetn Wachen darin.
"Nehmt mit was ihr könnt, vor allem größere Kaliber und Kaliber mit wirklich sehr negativen Emotionen!" befahl Mammi und die Elohim stürmten zu den Reihen an Waffen und nahmen mit, was sie gerade schleppen konnten.
Schließlich stand ein schwer mit Emotionswaffen bewaffente Truppe an Elohimseelen, angeführt von Mammi, in einer Lagerhalle, die bald von mehreren Dutzenden Wachen belagert sein würde. Sie hätten keine Chance mehr auf normalen Wege hier rauszukommen, doch das kümmerte Mammi wenig.
"Nemesis" funkte Mammi an die Nemesis "Ort zu Ort Transport einleiten, jetzt!".
Daraufhin verschwanden die Seelen der Elohim samt deren Waffe und fanden sich auf der Nemesis wieder, die kurz ihre Tarnung nahe Tempus Morti für den Transport deaktiviert hatte. Wenige Sekunden später aktivierte sie diese wieder und auf den Befehl "Bloß weg hier!" von Mammi hin, beschleunigte die Nemesis und entfernte sich rasch von Tempus Morti.
Die Emotionswaffen wurden in das Forschungslabor der Nemesis gebracht und Mammi befahl die raschestmögliche Erforschung der Emotionswaffen.
"Wir müssen fähig sein, mehrere davon in den Orbit eines Objektes zu bringen und, falls möglich, mit verstärker Kraft konzentriert auf das Zentrum des Objektes feuern zu lassen, alles gesteuert von der Nemesis aus."
"Das sollte möglich sein" antwortete ihr ein Wissenschaftler. "Aber wir können damit unmöglich ein Feld erzeugen, dass alle Lebewesen eines Planeten miteinbeziehen wird. Außerdem glaube ich, dass die Wirkung auf Lebewesen viel geringer ist als auf Seelen und wir damit kaum einen Planeten lahmlegen können".
Mammi grinste dabei kurz, als sie an den kühnen Plan von Enlil dachte.
"Wer sagt, dass wir sie gegen einen Planeten einsetzen werden?" antwortete sie ihm, als die Nemesis mit mehrfacher Lichtgeschwindigkeit durch Virgo flog.
Alhym - 5. Dez, 23:57
Alter indischer Epos "Mahabharata"
über den Krieg des Göttergeschlechts der Kauravas
gegen das Göttergeschlecht der Pandavas
"Die Sonne schien sich im Kreis zu drehen. Von der Glut der Waffe versengt, taumelte die Erde vor Hitze. Elefanten waren angebrannt und rannten wild hin und her... Das Toben des Feuers ließ die Bäume reihenweise stürzen... Pferde und Streitwagen verbrannten, es sah aus wie nach einem fürchterlichen Brand. Tausende von Wagen wurden vernichtet, dann senkte sich tiefe Stille über die Erde. es bot sich ein schauerlicher Anblick. Die Leichen der Gefallenen waren von der fürchterlichen Hitze verstümmelt, sie sahen nicht mehr wie Menschen aus. Niemals zuvor haben wir eine derart grauenhafte Waffe gesehen, und niemals zuvor haben wir von einer derartigen Waffe gehört... Sie ist wie ein strahlender Blitz, ein verheerender Todesbote, der alle Angehörigen der Vrischni und Andhaka zu Asche zerfallen ließ. Die verglühten Körper waren unkenntlich. Den Davongekommenen fielen Haare und Nägel aus. Töpferwaren zerbrachen ohne Anlass, die überlebenden Vögel wurden weiß. In kurzer Zeit war die Nahrung giftig. Der Blitz senkte sich und wurde feiner Staub."
"... Diese unfehlbare Waffe wird alle noch ungeborenen Kinder töten... Daher waren alle Kinder die zur Welt kamen tot."
"Und die Himmelsstadt von Indra, welche Arjuna erreichte, war entzückend ... Arjuna sah andere Himmelswagen, zu tausenden, die fähig waren, nach dem Willen überall hinzugehen, aufgereiht an ihren Plätzen. ... Was unten auf der Erde als Sternengestalt gesehen wird, wegen der großen Entfernung wie Lampen, sind in Wirklichkeit große Körper."
"Er betrat Indras göttlichen Lieblingspalast und sah Tausende von fliegeden Fahrzeugen für die Götter, einige nur abgestellt, andere in Bewegung"
Alhym - 5. Dez, 17:50
Sodom und Gomorrha
Menschliche, zusammengewachsene Städte
An diesem dunklen Abend betraten zwei Seraphim, Botschafter und Nachrichtenübermittler eines Elohim, das Stadtgemisch "Sodom und Gomorrha". Obwohl sie ihrer Meinung nach das Richtige taten, war ihnen nicht ganz wohl bei der Sache. Einerseits tickte ein unstoppbarer Countdown gegen sie und andererseits würde diese Aktion Enlil wohl noch mehr aufregen.
Dabei war er doch eigentlich einmal so nett gewesen.
Doch seitdem die Menschen nun fertil waren und sich selbstständig fortpflanzen konnten, verloren die Elohim langsam die Kontrolle über die Menschen. Was Enlil jedoch viel schlimmer traf, war der langsame moralische Verfall seiner eigenen Leute, der Elohim. Einige von ihnen fanden weibliche Menschen hübsch und paarten sich mit ihnen, den Genpool beider Rassen noch mehr vermischend und, wenn es nach Enlil ging, die Gene der Elohim noch weiter verschmutzend. Enki sah die ganze Sache viel lockerer und erfreute sich ob der Kultur, die die Menschen langsam entwickelten. Ihm missvielen jedoch auch viele Dinge an den Menschen, er legte diese jedoch nicht, wieso auch immer, auf die gesamte Menschheit um.
Seit einigen Jahren war nun mittlerweile auch der Kontakt zur Heimatwelt abgebrochen. Raumschiffe, die mit Rohstoffen dort landen sollten, kamen einfach nicht wieder zurück, um die neuen Lieferungen von Sippar wegzuschaffen. Enlil hatte darauf zwei Aufklärungsschiffe losgeschickt, doch die Rückkehr dieser Raumschiffe würde noch auf sich warten lassen. Die Heimat war sehr weit weg von Sippar.
Diese Tatsache schien die Stimmung von Enlil noch weiter zu drücken. Er war hierhergekomemn, um mit seinesgleichen Rohstoffe zu fördern und diese zurück zur Heimat zu schicken. Nun war der Kontakt zur Heimat weg, die Elohim verfielen langsam moralisch und die simple Aufgabe des Rohstoffabbaus hatte sich ob der großen Entfernung zur Heimatwelt plötzlich in ein zoologisches Experiment, genannt Menschheit, entwickelt. Enlil würde sich für all dies verantworten müssen, da er der Leiter dieser Mission war.
Die zwei Seraphim sahen sich gewissentlich um, da Sodom und Gomorrha keine freundliche Stadt der Menschen war.
Die von den Göttern, den Elohim, aufgestellten Verhaltensregeln wurden immer öfter missachtet und während Enki es als Ausdruck einer wachsenden selbstständigen Kultur sah, sah es Enlil als unverzeihlichen Frevel an.
Eine milde Brise wehte über die Straße, in der sich die Seraphim nun befanden. Einer der Seraphim deutete auf ein gewisses Haus und der andere nickte bestätigend. Vorsichtig gingen sie durch die kleinen Gassen in Richtung dieses Hauses.
Sodom und Gomorrha war mittlerweile zu einer Sündenstadt für Menschen und Elohim geworden. Hier galten fast keine Regeln mehr und wenige Elohim hatten sich von ihren Brüdern und Schwestern abgewandt und genossen nun das moral- und regelbefreite Leben, dass sie nun führen konnten. Die zwei Seraphim konnten zwar auch nicht alles verstehen beziehungsweise wollten nicht alles billigen, doch die "ultimative Lösung" die Enlil befohlen hatte, und die die ihm noch treuen Elohim gerade vorbereiteten, war ihnen dann doch zu grausam.
Im geheimen Auftrag von Enki erreichten sie ein gewisses Haus und klopften dreimal an die Tür.
"Wer dort, zu so später Stund'?" kam eine männliche Stimme aus dem Haus.
"Seraphim, Boten des Gottes Enki. Öffne die Tür, Lot" sagte einer der Seraphim.
"Woher soll ich wissen, dass ihr nicht einige dieser lasterhaften Gestalten seid, die sich Mensch schimpft und in dieser Stadt wohnt, Fremde?"
"Weil ich in 10 Sekunden deine Tür in Flammen aufgehen lasse und ebenfalls hereintreten werde, wenn du nicht normal aufmachst, Lot" antwortete der Seraphim.
Nach einer Schweigepause von 8 Sekunden antwortete Lot schließlich "Verstanden, bitte tretet ein oh ehrwürdige Seraphim, Boten Enkis" und öffnete die Tür.
Die zwei Seraphim betraten das kleine, schlichte Wohnzimmer des Hauses und die Frau von Lot machte kurz einen höfischen Knicks zur Begrüßung der beiden. Diese lächelten sie daraufhin nur freundlich an, wie das eben Boten Gottes so tun, wenn sie nicht gekommen waren um die Erstgeborenen zu töten.
"Kann ich den ehrwürdigen Engeln dienen?" fragte die Frau höflich. "Kann ich Lucifero eine Opfergabe erbringen? Ich hoffe doch, wir waren fromm genug, falls nicht, bitte verzeiht!".
Einer der Seraphim sah kurz verwirrt seinen Kollegen an, als er schließlich fragte "Lucifero?"
"Ja" sagte Lot, der es für unangebracht hielt Frauen Dinge wie Religion oder Denken zu überlassen, "Lucifero der Lichtbringer. Lucifero, der uns Wissen gab und die Fähigkeit zur Erkenntnis des Weibes"
"Sex" flüsterte der zweite Seraphim dem anderen ins Ohr.
"Oh" sagte dieser daraufhin.
"Lucifero, der die Menschen befreit hat und uns hilft. Lucifero, dessen Name ebenfalls Enki ist." beendete Lot seine Rede.
"Danke für die Erklärung" sagte der Seraphim freundlich und wandte sich zur Frau "Danke ebenfalls, wir brauchen derzeit nichts und Enk...Lucifero ist ebenfalls zufrieden mit euch. Ja, sogar so zufrieden, dass er euch retten will. Drum müsst ihr jetzt mitkommen"
"Retten?" fragte die Frau leicht entsetzt.
Lot, der einen kurzen Blick zu seiner frechen, selbstständig redenden Frau warf, die in typischer Frauenmanier sofort in Panik verfiel und hilflos wurde, unterdrückte kurz selbst seine Panik und Hilflosigkeit in männlicher Manier und sagte mit möglichst gelassener Stimme "Retten?", jedoch klang es mehr wie als hätte er einen enormen Harndrang und kämpfte derzeit dagegen verbissen an.
"Gott Enlil wird Sodom und Gomorrha ob seiner Sünden vernichten lassen. Sehr bald. Wir haben nicht ewig Zeit. Doch Gott Enki, Lucifero, hat euch die Gnade des Lebens erwiesen und deshalb sind wir hier, um euch zu retten und von hier fortzubringen."
"Gott Enlil ist uns hier bekannt als Gott Jahwe" belehrte Lot seine Frau, die daraufhin Dankbarkeit spielte.
"Jahwe, von mir aus. Egal, er wird Sodom und Gomorrha vernichten lassen." sagte der Seraphim.
"Wird Gott Feuer und Schwefel vom Himmel regnen lassen, um die Sünder dieser Stadt auszutilgen?" fragte Lot.
"Zu Staub zerfallen lassen, trifft es besser" flüsterte der zweite Seraphim zu seinem Kollegen. Doch der mit Lot sprechende Seraphim fand, dass Lot das sowieso nicht verstehen könnte, was nun wirklich auf Sodom und Gomorrha zukam, also bestätigte er einfach die Sache mit dem Feuer und dem Schwefel.
"Ein phantastisches Schauspiel wird das werden, Weib!" freute sich Lot, "Vielleicht kann es dein frauischer Intellekt nicht so ganz erfassen, aber die bunten Farben werden dich garantiert faszinieren!".
"Den sollen wir retten?" flüsterte der zweite Seraphim.
"Vielleicht geht es Enki auch nur um die Frau..." flüsterte der erste Seraphim.
"Oder Enki hat langsam einen Knall..." antwortete der zweite Seraphim.
"Nun, lasset mich noch meine geliebten Bücher mitnehmen und mein Eheweib kann ihre Kleidung einpacken, dann sind wir in ungefähr einer Stunde soweit" sagte Lot.
"Wir haben keine Stunde mehr Zeit Lot. Gottes Rache ist auf dem Weg, es nicht aufhaltbar." sagte der erste Seraphim ruhig. "Wir gehen jetzt entweder mit dir, oder ohne dir und deiner Frau hier weg, entscheide weise".
"Dann wähle ich doch glatt das Leben!" sagte Lot wiederrum freudig.
"Sehr gut" sagte der erste Seraphim und schritt zur Haustür. "Lasst uns dann mal..." begann er, als er die Tür öffnete und rasch wieder zuschlug. "Wir haben ein Problem" fügte er hinzu.
"Was ist los?" fragte der zweite Seraphim.
"Oh, ein Auflauf an Sündern, draußen vor meinem Hause!" entfuhr es Lot wütend, der durch die Fenster die heranströmenden Menschenmassen sah.
"Sie müssen das Merkabah gesehen haben" sagte der erste Seraphim besorgt, als er von dem kleinen Transportschiff der Elohim names Merkabah sprach. "Ich bin mir sicher sie haben das Leuchten der Steuerdüsen gesehen oder sonst etwas, auf jedenfall haben sie bemerkt, dass ein Seraphim gekommen sind und sind nun hier wegen uns".
"Was könnten die von uns wollen?" fragte der zweite Seraphim.
"Lot!" rief eine männliche Stimme von draußen, "Gib uns die zwei Seraphim! Wir wollen sie! Wir wollen sie erkennen und das menschliche Geschlecht noch näher zu Gott bringen!"
Der zweite Seraphim war kurz verwirrt vom Ausdruck "sie erkennen" und erinnerte sich dann an die seltsame Ausdrucksweise der Menschen.
"Die wollen doch nicht etwa...und das mit uns?!" sagte er kurz nervös.
Der erste nickte nur besorgt und sagte nun, eher ausfälliger gegenüber Sterblichen, doch in dieser Situation ließ er das ganze Getue um heilige Engel und so weiter fallen "Doch, aber mein Arsch gehört mir und nur mir".
"LOT! Gib sie uns oder wir holen sie uns!" rief der Mann erneut, als sich Menschen auf eklige Art und Weise an den Fenster rieben, daran pochten, sie sogar ableckten und konstant gegen die Tür geschlagen wurde.
"Oh, Lucifero helfe uns!" sagte die Frau von Lot angsterfüllt.
"Seraphim, ruft euren Herren, er soll kommen und diese Sünder aufhalten, damit wir passieren können!" forderte Lot von den zwei Engeln und hoffte, das Ganze nicht allzu fordernd und eher nett fragend gesagt zu haben. Immerhin waren sie Engel.
"Hast du Blendgranaten dabei?" fragte der erste Seraphim den zweiten.
"Ja" antwortete dieser kurz und zog eine aus einer kleinen Tasche, die an seiner Hüfte befestigt war.
"Lot! Lots Frau, wie auch immer dein Name sein mag! Mitkommen!"
"Mein Name ist..." begann Lots Frau, wurde jedoch prompt von Lot unterbrochen "Frauen sprechen nicht mit den Heiligen direkt, nur Männer haben diese geistige Kapazität. Au, du bist mir gerade auf den Fuß getreten!"
"Entschuldige Liebling, das muss ein Versehen gewesen sein. Meine geistige Kapazität wurde wohl gerade vom Ansprechen des Seraphims überfordert"
"Dir sei verziehen" sagte Lot und meinte es auch so.
"Augen zuhalten!" rief der zweite Seraphim, woraufhin Lot und seine Frau dies taten und die beiden Seraphim ihre Arme vor ihr Gesicht hielten.
Der erste öffnete rasch die Tür, sah kurz grinsend in lüsterne und dreckige Gesichter und erkannte auch einen Elohim unter ihnen, bevor der zweite Seraphim die Blendgranate mitten in die Menge warf und kurze Zeit später alle Menschen kurz ein weißes Flackern sahen und danach absolut Schwärze.
Die zwei Seraphim nutzten die Verwirrung der Menschen und packten jeweils Lot und seine Frau am Handgelenk, als sie durch die verwirrte und erblindete Menge drang und zur Grenze der Stadt liefen.
"Was für ein Zauberwerk! Das ist die Macht Gottes!" erfreute sich Lot.
"Ja, ruf ruhig noch lauter, damit sie uns finden" sagte der erste Seraphim sarkastisch und überlegte kurz, bevor er noch anfügte "Das soll heißen: Tu das ja nicht".
Als die 4er Gruppe einen kleinen Hügel in der Nähe der Stadt hochgelaufen war, erkannte der erste Seraphim bereits einen hellen Lichtpunkt am Firmament, der langsam näher kam. Panik kroch in ihm hoch, da sie nicht mehr viel Zeit hatten.
"Zuhören!" befahl er Lot und seiner Frau, "Wir müssen rasch hinter diese Bergkette, oder der Atem Gottes wie ihr es nennt wird uns befallen und darauf hab ich echt keine Lust. Bleibt nicht stehen, dreht euch nicht um, um es anzusehen, ihr würdet zu Staub zerfallen!"
"Zu Salz? Eine Salzsäule?!" rief Lot, da langsam ein Donnern in der Luft zu hören war, dass von dem Lichtpunkt ausging.
"STAUB du IDIOT!" rief der erste Seraphim doch das Geräusch übertönte ihn bereits.
"Komm Weib, du musst laufen, oder hast du nicht verstanden was der Seraphim sagte?!" rief Lot, "Hach diese Frauen!".
In dieser Sekunde riss Lots Frau der Geduldsfaden. Sie überlegte kurz, ob sie stehenbleiben und zu Staub zerfallen solle oder den Rest ihres Lebens mit Lot verbringen.
Schließlich war die Entscheidung getroffen, als sie stehenblieb und sich auf ein freuiges und schwefeliges Spektaktel freute.
"Weib?! Ach diese Frauen, so leicht abgelenkt von bunten Lichtern!" rief Lot und Lots Fraue wusste nun mehr, dass ihre Entscheidung richtig war.
Die zwei Seraphim und Lot waren bereits hinter der schützenden Bergkette angekommen, als die Bewohner von Sodom und Gomorrha angsterfüllt nach oben sahen und der rasch näherkommende Lichtpunkt vom Himmel langsam zu glänzen begann. Auch Lots Frau erkannte langsam eine längliche Struktur. Es sah fast so aus wie ein Schem der Götter, die länglichen Fahrzeuge, die den Himmel durchschneiden und zum Sternenmeer gelangen konnte. Doch Lots Frau wusste, dass dieses Schem hier kein Transportschem, sondern ein Schem der Vernichtung war.
Das Letzte was sie sah war, wie das Schem mit hoher Geschwindigkeit in Sodom und Gomorrha einschlug und daraufhin eine mit Feuer und Schwefel glühende Rauchsäule gen Himmel schoss, die sofort alles in ihrer Umgebung zu Staub zerfielen ließ und den Boden der Stadt in Glas umwandelte. Lots Frau zerfiel zu Staub, als eine Wolke aus Millionen Grad heißer Luft ihren Körper traf und eine Druckwelle verbrannte Bäume umriss. Der Atem Gottes breitete sich über das Land aus, ließ Vögel tot vom Himmel fallen und vergiftete alles, was in ihm Weg stand.
Nur die zwei Seraphim und Lot waren sicher hinter dem schützenden Felsmassiv, hinter dem sie sich versteckt hatten.
Die radioaktive Strahlung der Nuklearwaffe, die eben Sodom und Gomorrha vernichtet hatte, konnte den Fels nicht mehr durchdringen.
Wenige Tage später erfuhr Enlil von der Rettung eines Menschen auf den Befehl von Enki hin. Enlil war außer sich vor Wut und sprach ein Machtwort gegenüber Enki und seinen menschenfreundlichen Anhängern. Sie waren von nun an als Nephilim, Ausgestossene, bekannt. Sie wurden auf Erden verbannt und konnten nicht mehr in die von den Elohim gebauten Orbitalstationen zurückkehren. Doch die Nephilim, die vom Himmel ausgestossenen Götter, wollten sich damit nicht zufrieden geben. Besonders Enki nicht.
Er wollte nur den Menschen helfen, den Wesen, die mit ihrer DNS geschaffen wurde. Und als Strafe dafür, wurde er von seinesgleichen, den Elohim ausgeschlossen? Das konnte es nicht sein. Es war Zeit für einen Putsch. Enlils Wahnsinn musste gestoppt werden.
Der Gott Enki und seine Anhänger erklärten dem Gott Enlil und seinen Anhängern den heiligen Krieg.
Alhym - 5. Dez, 16:53
Montag, 4. Dezember 2006
Planet Sippar (Erde)
Ungefähr 8.700 Jahre zuvor
Enlil stand unter der heißen mesopotamischen Sonne und nahm einen Schluck Wasser aus seiner Trinkflasche.
Die Wesen die vor ihm standen sahen durstig aus, doch Enlil dachte nicht daran ihnen Wasser zu geben. Er betrachtete die Wesen, die von den Annunaki, der „Arbeiterklasse“ der Elohim, mithilfe von Leinen und Peitschen im Zaum gehalten wurden.
Nachdem er sie einige Minuten beobachtet hatte, fragte er Nudimmud „Was soll das werden?“.
Nudimmud, die Chef-Genetik und Biologie Ingenieurin, sah Enlil mit einem Blick an, der zu sagen schien „Sie, Mister, kennen sich mit Militär aus. Lassen Sie mir, Mister, also das Wissenschaftliche“.
„Das sind unsere ersten Ergebnisse, Enlil“ antwortete sie ihm ruhig.
„Oh?“ sagte Enlil mit hochgezogener Augenbraue und ging dabei auf eines der Wesen zu, „dieses widerliche Etwas soll also die Arbeit übernehmen, die die Annunaki nicht mehr machen wollen? Diese widerliche Bastardmischung von Primat und Raubkatze?“
Die genetische Mischung von Homo erectus und eines Geparden leckte sich daraufhin kurz seine Handpfote und fauchte Enlil an, woraufhin ein Annunaki schroff an der Leine zog und ein anderer das Wesen mit der Peitsche schlug.
„Den einzigen Verwendungszweck den ich für diese Missgeburten sehe, ist Fellballen hochzuwürgen und als Belustigung in einem Zirkus, aber nicht für Arbeit, Nudimmud, und das war verlangt!“.
„Enlil!“ antwortete ihm Nudimmud nun schroffer, „man kann nicht einfach eine vorher unbekannte DNS mit der unsrigen einfach so kreuzen. Wir müssen Vor-Experimente durchführen, um die grundlegenden Gene zu finden, dann wissen wir, wie sie sich mit unserer DNS kombinieren lässt“.
„Und diese abscheulichen Missgeburten sind diese Vorexperimente?“ fragte Enlil und sah sich eine Mischung zwischen Homo erectus und Pferd an, dessen Oberkörper dem eines der auf diesem Planeten heimischen, höheren Primaten entsprach und der Rest der Körper eines Pferdes war.
„Ganz genau so ist es“ antwortete ihm Nudimmud. „Wir hatten Glück, überhaupt lebensfähige Wesen erzeugen zu können, das muss nicht immer der Fall sein bei Genmanipulationen“.
Das Zentaur, die Mischung aus Pferd und Mensch, sah Enlil verwundert an und berührte mit einer Hand sein Gesicht, um das ihm unbekannte Lebewesen näher zu erforschen. Enlil zog daraufhin eine Waffe und erschoss den Zentaur.
„Enlil!“ rief Nudimmud.
„Was? Hättet ihr den noch für genetische Versuche gebraucht?“ sagte er verwundert.
„Nein, aber trotzdem! Du kannst doch nicht einfach das Leben dieses Wesens beenden“.
„Pah!“ antwortete ihr Enlil, „ohne uns gäbe es diese Wesen gar nicht. Wir haben sie erschaffen, wir können sie vernichten wenn es uns beliebt. Diesen genetischen Fehler wird schon niemand auf Sippar vermissen“.
Nudimmud war geschockt von Enlils plötzlicher Kälte und Härte.
Als sie vor vielen Jahren auf Sippar gelandet waren, um den Planeten bezüglich seiner Rohstoffe auszubeuten, war Enlil noch fröhlicher und offener. Da der Planet einer der 5 Planeten des Pangäa-Ringes war, galt ihm besondere Aufmerksamkeit. Er war reich an Bodenschätzen und Leben, viel reicher als andere Planeten, und durch den Einfluss seiner Position im Pangäa-Ring entwickelte sich der Planet rascher. Die Elohim hatten einige Basen und kleinere Städte gebaut und begannen auf einem der südlichen Kontinente Gold abzubauen, währen die Kommandozentral in dem Gebiet von Mesopotamien lag. Da der Weltraumflug zur Heimat der Elohim jedoch lang dauerte, nahmen sie nur wenige technische Geräte mit und die Annunaki mussten diese bedienen. Alles verlief gut, Enlil erfreute sich dieses schönen Planeten und war fröhlich. Doch als eines Tages die Annunaki rebellierte und nicht mehr unter diesen unmenschlichen Bedingungen in einer Mine arbeiten wollten, wurde anscheinend Enlils Stolz als ein Führer angegriffen. Er befahl zwar Waffengewalt um die Annunaki wieder zum Arbeiten zu bewegen, jedoch wollte keiner der anderen Elohim einen von ihnen verletzen. Daraufhin befahl Enlil die genetische Aufwertung der hiesigen Primatenspezies zu willigen Arbeitssklaven, oder in der Sprache der Elohim, zu Lulus.
Doch dass Enlil nun bereits so kaltherzig geworden war, konnte Nudimmud nicht fassen.
„Dennoch hatte es ein Recht auf Leben, Enlil. Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du meine Schöpfungen nicht wahllos töten würdest, danke“ sagte sie schließlich.
„Von mir aus. Wann sind wir so weit unsere DNS mit der der hiesigen Primaten zu kreuzen um Lulus zu haben?“ fragte Enlil nach.
„Wir werden bald Versuche zur DNS-Kombination starten“ antwortete ihm Nudimmud.
„Gut. Vergiss nicht, was wir gesagt haben. Begrenze ihre Lebenszeit maximal auf 120 Jahre und mach sie steril, sie sollen sich nicht selbst fortpflanzen können. Wir wollen hier Arbeitssklaven und keine mögliche Konkurrenz züchten“.
„Verstanden. Ich werde der DNS kleine Fehler bei der Reproduktion einsetzen, so dass die Zellerneuerung nach spätestens 120 Jahren so fehlerhaft ist, dass diese Wesen sterben werden.“
„Töten wir sie damit nicht indirekt?“ fragte Enki, der mit dem Abbau des Goldes und anderer Rohstoffe im Süden des Planeten beauftragt war.
„Das würd ich nicht sagen“ antwortete Enlil.
„Das ist eher moralisch zu beantworten“ sagte Nudimmud und sah Enlil dabei böse an.
„Verstehe“ antwortete Enki daraufhin nachdenklich.
„Nun gut. Mach mit deinen Haustieren hier was du willst, Nudimmud. Sobald wir Lulus haben, informiere mich wieder und dann ab mit ihnen in die Südminen zu Enki. Wer Widerstand leistet, wird erschossen, vor den Augen der anderen Lulus, als ein Zeichen. Wir haben sie erschaffen, wir vernichten sie wann wir wollen. Wir können anderen klonen wenn es nötig ist, das Individuum ist nicht wertvoll, wenn es nicht arbeiten will.“
Enki schwieg daraufhin und Nudimmud nickte einfach nur.
„Gut. Ich kehre nun wieder nach Eridu-Stadt zurück. Wenn es etwas gibt, bin ich dort zu erreichen“ sagte Enlil schließlich und verließ das genetische Labor der Elohim, Eden.
Genetisches Labor „Eden“, Sippar
Einige Jahre später
Die Last der Annunaki war von den nun mehr fertigen, sterilen und lebenszeitbegrenzten Lulus übernommen worden. Diese waren gerade mal so intelligent designet worden, dass sie den Umgang mit den technischen Geräten der Elohim verstanden und so als Arbeitssklaven verwendet werden konnten. Ein Zeichen hatte sich unter den Lulus etabliert, die die Sprache der Elohim angenommen hatten und ebenfalls schreiben und lesen konnten. Man legte die Handinnenflächen aneinander und die beiden abstehenden Daumen formten ein X oder ein Kreuz. Die zusammengelegten Hände symbolisierten die Fesselung beziehungsweise Enteignung der Lulus durch ihre Herrscher und das Kreuz hatte sich als Zeichen für die Elohim etabliert. In der Sprache der Lulus hießen die Elohim „Dingir“ und mithilfe von harten und spitzen Steinen ritzen sie in weichere Lehmtafeln Symbole ein. Das Symbol für Dingir ähnelte einem Kreuz.
Enki, der tagein und tagaus die schwere Arbeit der Lulus mitbekam, anders, als Enlil der sich in der Nordhalbkugel des Planeten aufhielt, hatte über die Jahre immer mehr Mitleid für die Wesen entwickelt.
Immerhin waren sie mithilfe der DNS der Elohim erschaffen und aufgewartet worden, dem Ebenbild Elohims gleich. Sie waren mehr oder minder ein Teil der Elohim und Enki konnte es nicht ertragen, „seinesgleichen“ so leiden zu sehen.
Als er in Eden geheime Projekte durchführte, wusste er, dass es Enlil sehr aufregen würde, wenn er Erfolg gehabt hätte. Aber er wollte etwas für die Lulus tun, er wollte ihnen helfen.
Nach einigen fehlgeschlagenen Experimenten mithilfe von Nudimmud gelang es beiden jedoch eine fertile Version der Lulus zu schaffen. Eines der beiden Tabus von Enlil war damit nun gebrochen. Ewiges Leben blieb zwar noch verwehrt, doch nun konnten sich diese Wesen immerhin selbstständig fortpflanzen. Die Frucht vom Baum der Erkenntnis war gegessen und die Schlange Enki freute sich über das Geschenk, dass er und Nudimmud den Lulus geben konnte.
Enlil erfuhr später von diesem Eingriff, als sich die Population der Lulus stark vergrößerte und nicht mehr kontrollierbar war. Er wollte zuerst alle Lulus auslöschen und noch einmal von vorne beginnen, sah jedoch dann ein, dass die Kosten und der Aufwand hierfür zu groß gewesen wären. Enlil erlaubte den Lulus eine eigene Kultur zu entwickeln, solange sie noch ihren Göttern dienten und Gold und andere Rohstoffe für sie abbauten.
Enki war glücklich über diese Entwicklung und andere Elohims brachten den Lulus grundlegende Dinge wie Landwirtschaft und Mathematik bei. Astronomie wurde ebenfalls verstärkt gelehrt, damit die Lulus ungefähr abschätzen konnten, wann die Transportschiffe der Elohim kamen und wann mit einem Besuch der Elohim – Götter zu rechnen war.
Auf diese Art und Weise wuchs die Kultur der Lulus immer mehr heran und gab sich schließlich den Namen Mensch.
Und Enlil und Enki lagen in einem Zwist, wie mit dieser erschaffenen Spezies nun vorzugehen war, als diese immer mehr der Anarchie verfiel und die Situation sich zuspitzte, als Enlil eine Entscheidung gegenüber einer menschlichen Stadt, Sodom und Gomorrha, traf.
Alhym - 4. Dez, 17:02
Sonntag, 3. Dezember 2006
"Computer, elektronischen Brief aufzeichnen" sagte Amelia, die bereits seit einigen Minuten unruhig in ihrer Wohnung auf und ab gegangen war.
Sie war sich nun bereits seit Wochen unsicher, ob und falls ja, wann sie ihrem Vater einen erneuten Brief schreiben sollte. Sie wusste nicht genau, was sie sagen wollte, doch war sich sicher, dass es nicht allzu herzlich werden würde. Keines ihrer eher kurzen Gespräche war wirklich herzlich oder tiefergreifend gewesen. Sie beschränkten sich eher auf allgemeine Fragen nach dem Wohlergehen der Person und dem sicheren Gefühl wieder etwas "familiäres geleistet zu haben" oder zumindest dem Hauch dieses Gefühls.
Amelia überlegte, was sie eigentlich sagen wollte und spielte damit mit ihrem mittlerweilen brustlangem Haar.
Sie ging in die Küche und kam mit einem Glas Rotwein zurück. Amelia trank einen Schluck und setzte sich schließlich in ihr Sofa.
"Lieber Vater," begann sie zu diktieren, "hier auf Eridu läuft alles sehr gut für mich, derzeit. Ich habe einen nette Mann kennengelernt, sein Name ist Theron. Wir haben uns schon oft getroffen und er bringt mich zum Lachen. Wir können über alles mögliche philosophieren, auch wenn ich nicht all seine Ansichten teile."
Amelia nahm einen weiteren Schluck aus dem Glas und aktivierte den stimmgesteuerten hauseigenen Kamin. Das Feuer faszinierte sie für eine kurze Zeit, als sich Wärme und Licht in einem heimlichen Tanz umgarnten und sie ihre Gedanken schweifen lassen konnte.
"Ich hoffe dir geht es gut auf Sippar und die Arbeit ist nicht allzu schwer dort. Falls es die Situation einmal zulässt, würde ich dich gerne dort besuchen kommen. Ich möchte unbedingt einmal auf einem der Pangäa - Planeten sein. Wie ist es dort so? Spürt man den Astralfluss sehr stark auf diesen Planeten oder kann man sonst irgendwie ohne technische Hilfe erkennen, dass diese Planeten stark vom Astralfluss beeinflusst werden? Leider ist das Militär auf Eridu nicht so freizügig mit Informationen, selbst Angehörigen und Familienmitgliedern gegenüber. Darum weiß ich nicht, wie es dir dort geht und was du gerade machst beziehungsweise wie das Projekt dort läuft. Aber ich denke mal nicht so schlecht, da hier ein recht moderater aber doch guter Strom an Gold und anderen Rohstoffen von Sippar eintrifft."
Amelia starrte für einige Momente weiter in das lodernde Feuer und trank ihr Glas Rotwein zu Ende. Sie überlegte kurz, wie sie den nächsten Satz formulieren sollte und begann schließlich mit: "Ich weiß wir hatten nie...wirklich ... ach verdammt, Computer! Letzten Satzanfang löschen und Nachricht versenden".
"Zielperson?" fragte eine ruhige Computerstimme.
"Mein Vater. Enlil auf Sippar" antwortete Amelia und ging in die Küche, um sich ein neues Rotweinglas zu holen.
Alhym - 3. Dez, 23:51
"Konzentriert euch!" befahl Mammi, Kommandantin des Raumschiffs "Nemesis".
Die Crew war gerade gestorben und sah sich verwirrt um. Sie hatten Angst und wurden dabei von alten Erinnerungen an frühere Leben überflutet. Manche gingen verwirrt umher und andere konnte noch garnicht fassen, was Mammi gerade getan hatte.
Eine etwas erfahrenere Seele, für die Sterben bereits ein alter Hut war, sah Mammi wütend an.
"Was sollte denn das?!" rief sie wütend, "Enlils Mission ist unsere Vernichtung?! Hat Enlil nun einen totalen Knall?!"
"Bitte beruhige dich!" verlangte Mammi, "Sieh dich doch um! Die Nemesis ist noch da. Die biologischen Komponenten des Schiffes haben es ebenfalls sterben lassen, wir sind noch alle da, nur tot! Ihr anderen, konzentriert euch gefälligst, hört nicht auf den Ruf von Tempus Morti! Wir sind Elohim und keine früheren Leben, wir sind Elohim und nicht etwas anderes, wir sind Elohim und wir haben noch immer unsere Mission vor uns, also konzentriert euch und bleibt gefälligst hier!"
"Wir sind tot...tot...oh Gott...sie hat uns einfach alle getötet" zitterte eine Seele.
"Ja" sagte Mammi nun ruhiger und klarer "Wir sind tot. Na und? Wir haben bloß eine Grenze überschritten, wir sind aber noch immer wir".
Eine der Seelen, die sich schon wieder gefangen hatte und sich darauf konzentrierte, dass sie einmal ein Elohim war, meldete dass sich ein Raumschiff der Nemesis nähert. Ein astrales Raumschiff.
Mammi nickte kurz.
"Ja, sie wollen uns abholen und nach Tempus Morti bringen" sagte sie ruhig, "Doch das werden wir nicht zulassen"
"Wieso hast du das getan?!" rief eine Seele noch immer aufgeregt.
"Weil das der Plan von Enlil erforderlich macht. Diese Mission ist von äußerster Wichtigkeit. Sie darf nicht fehlschlagen, oder die Gesamtmission könnte fehlschlagen. Wir können nach Erfolg leicht wiedergeboren werden mithilfe der Seelenmagneten, DOCH wir müssen diese Mission hier erledigen".
"Das fremde Astralraumschiff nähert sich immer mehr" sagte eine weitere Seele.
"Ich verstehe" sagte Mammi und sah ihre Crew eindringlich an.
"Wer seid ihr?!" rief sie.
"Wir sind Elohim" kam ein zaghafter Chor an Antworten.
"Wer seid ihr verdammt nochmal?!" rief sie erneut.
"Wir sind Elohim!" kam es nun stärker zurück.
"Ja wir sind Elohim!"
"Elohim!" brüllte die Crew.
"Sehr gut. Dann lasst uns jetzt nach Tempus Morti fliegen" befahl Mammi.
"Bitte?" sagte die Seele des Piloten verwundert. "Wir wollen nicht, dass das Raumschiff dort uns nach Tempus Morti bringt, aber wir fliegen zu Tempus Morti?".
"Ganz genau" sagte Mammi, "wir müssen dort etwas erledigen. Wir. Und nicht unsere Seelen die frei sind von den Gedanken unseres früheren Lebens. Wir Elohim und nicht reine Seelen. Nemesis zu Tempus Morti fliegen, jetzt, bevor uns das andere Raumschiff aufsammelt".
"Aber wie?" fragte der Pilot.
"Wie immer. Solang wir die Nemesis noch so behandeln, wie wir sie lebend behandelt hätten, wird auch sie ihre Erinnerung an ihre frühere Funktion nicht verlieren."
"Verstehe, Ma'am" antwortete der Pilot und programmierte die Nemesis, die daraufhin Richtung Tempus Morti flog.
"Das ... was zum... das ist mir auch noch nie untergekommen" sagte eine Seele des ankommenden Transportsschiffes Richtung Tempus Morti verwirrt, als die Nemesis davonflog. "Nun gut, sie fliegen nach Tempus Morti...weniger Arbeit für uns" dachte sie noch unbekümmert.
Alhym - 3. Dez, 01:22
Sud erwachte und fühlte sich wie gerädert.
Mit geschlossenen Augen bewegte er langsam einen Finger, danach einige mehr und schließlich seine rechte Hand kurz. Er bewegte seine Zehen und Füße etwas, atmete tief ein und aus und öffnete schließlich die Augen.
Enki grinste ihn schelmisch an.
Mit einer blitzschnellen aber noch unsicheren Faust schlug er Enki mitten ins Gesicht, der daraufhin nur lachte.
"Haha, ich wusste es!" sagte Enki.
Sud setzte sich auf, hielt jedoch kurz inne, da ihm noch leicht schwindlig war. Als er sich umsah, erkannte er einen medizinischen Raum der Elohim und einige Ärtze, die ihn kurz untersuchten und er musste einem Licht mit den Augen folgen. Auf die Frage hin, wie es ihm ginge, antwortete er "Erstaunlich...lebendig".
Danach drehte er seinen Kopf zu Enki und sagte zu ihm "Was zur Hölle geht nur in deinem kranken Hirn vor! Ich war mitten beim SEX verdammt nochmal und du tötest meinen alten Körper einfach so!"
Enki lachte daraufhin einfach nur wieder.
"Entschuldige" sagte er, "obwohl es dennoch witzig war, war es dringend, dich wieder in deinen Körper zu bekommen".
"Wovon redest du? Wie...wieso bin ich nicht auf Tempus Morti, wieso hier?! Wieso in MEINEM Körper?! MEIN Körper?!" sagte Sud verwirrt.
Enki zeigte auf ein Gerät neben dem Tisch, auf dem Sud aufgewacht war.
"Das ist ein Seelenmagnet. Jedenfalls nennen wir das so, keine Ahnung wie die Wissenschaftler es nennen. Gibt man ihm das Muster einer Seele ein, kann er sie in seine Nähe ziehen und an einen Körper binden, dabei das Glücksspiel von Wiedergeburt auf Tempus Morti umgehen. Und deinen Körper haben wir einfach geklont".
"Seelenmagnet?" fragte Sud, als er aufstand.
"Ja, eine neue Entwicklung. Die Zeit ist nicht stehengeblieben für uns, seitdem unsere Heimat vernichtet wurde. Wir forschen noch immer." antwortete ihm Enki.
"Enki...ich hasse dich wegen der Sache mit dem Sex, nur, damit dir das klar ist"
Enki lachte erneut herzhaft.
"Natürlich!" sagte er fröhlich. "Komm mit, zieh dich um, dann besprechen wir uns"
"Besprechen? Was? Kann mir mal einer sagen, was hier vor sich geht? Wieso ihr mich wieder in den Körper geholt habt, was du von Schuruppak geredet hast?"
"Klar, Enlil wird dich aufklären und den Missionsreport darlegen"
"Mission?" fragte Sud.
"Ja!" sagte Enki fröhlich "Wir gehen nach Hause"
Alhym - 3. Dez, 01:02
Freitag, 1. Dezember 2006
Vereinte Nationen
Wien
Im Gebäude der Vereinten Nationen in Wien war eine wichtige Debatte im Gange. Da sich hier die Institution bezüglich Fragen von Atomtechniken befand, wurde hier gerade das heikle Thema der atomaren Aufrüstung diverser Staaten sowie potentieller atomarer Bedrohungen diskutiert.
Solange es um Dinge wie Welthunger oder Wirtschaft ging, waren nie wirklich alle Nationen anwesend. Zwar kamen fast alle, doch die meisten Botschafter waren in ihren eigenen Gedanken versunken.
Doch sobald jemand das Wort Atomwaffe erwähnt, hörten alle gespannt zu. Entweder aus Angst vor dieser Macht oder aus Gier, diese Macht auch haben zu können und nicht benachteiligt zu werden im diplomatischen Blutballett.
Als sich gerade der iranische Botschafter gegen unzählige Vorwürfe verteidigen durfte, erschien plötzlich ein Mann mitten im Besprechungssaal.
Erschrocken sprangen manche Botschafter auf und einige deuteten wild zu den bewaffneten Ordnungshütern, die sofort auf den bärtigen Mann zustürmten. Als sie nur noch einen Meter von ihm entfernt waren, blitze kurz eine Art elektrisches Schild um den Mann herum auf und Stromschläge von mehreren tausend Volt schleuderten die Ordnungshüter gegen die Wand, die daraufhin schwer verwundet liegen blieben.
"Hallo auch" sagte der fremde Mann und jeder verstand es sofort, selbst ohne Dolmetscher.
Dies war aufgrund eines Implantates im Gehirn des Mannes, dass in Bruchteilen von Sekunden jede Sprache analysieren und für ihn in seine Muttersprache umwandeln konnte und im Gegenzug telepathische Übersetzung des vom Mann Gesagten an die Zuhörer senden konnte.
Der Mann schritt zu einem Rednerpult und stützte seine Arme in der Art und Weise darauf ab, die deutlich machen sollte, wer hier das sagen hatte.
Alle starrten den seltsamen Mann gebannt an, als dieser sagte "Ich bin Enlil".
Die erwartete, ehrfürchtige Reaktion des Volkes von Sippar blieb aus und Enlil war leicht enttäuscht.
"Euer oberster Gott?" fügte er hinzu.
Daraufhin brachen die Botschafter der Nationen in Entrüstung aus.
"Allah ist unser Gott!" rief einer.
"Nein, Gott ist unser Gott!" brüllte ein anderer und kam sich danach ziemlich dämlich vor.
"Was auch immer, aber SIE Sir, sind ganz sicher kein Gott" entfuhr es dem britischen Botschafter.
Enlil schmunzelte.
"Ihr habt also wirklich eure Geschichte verleugnet. Nun, von mir aus, ich bin nicht hier, um euch historisch zu belehren. Ich bin hier, um unseren Orbit zu beanspruchen".
Daraufhin kehrte wieder Stille im Besprechungssaal ein, als die Botschafter sich verwirrt ansahen.
"Unser Orbit" wiederholte Enlil, "ihr wisst schon, dass Gebiet, dass ihr mit euren Satelliten verschmutzt habt".
"Was?!" entfuhr es dem amerikanischen Botschafter, "was redet dieser Terrorist da?!"
"Bitte?" sagte Enlil, die Ruhe in Person.
"Ja, Sie mein ich, Sie, mit Ihrem wüsten Bart und ihren stechenden, dunklen Augen! Glauben Sie nicht, dass ich einen arabischen Terroristen nicht erkenne, wenn ich einen sehe"
Enlil lachte daraufhin kurz erheitert, doch war rasch wieder todernst.
"Mein guter Herr, wenn ich das sagen darf, ich bin kein arabischer Terrorist. Ich weiß nicht einmal, was das Wort "arabisch" bedeuten soll" antwortete er dem US-Botschafter.
"Wie soll denn ein arabischer Terrorist einfach hier aus dem Nichts auftauchen mit einer Art Schutzschild?" fragte der französische Botschafter nervös.
"Egal, wir sollten eine Resolution gegen Schutzschilde und plötzlich auftauchende Leute erlassen" bemerkte der deutsche Botschafter kühl.
"Meine Güte" seufzte Enlil.
"Sie täuschen mich nicht!" brüllte der US Botschafter weiter. "Amerika wird das Weltall nicht aufgeben. Amerika beansprucht das Weltall für sich und Amerika wird schon garnicht mit arabischen Terroristen verhandeln!".
Nun begann Enlil zu lächeln. Jeder, der Enlil gut kannte und nicht erst ein paar Minuten, wie die Botschafter der Vereinten Nationen hier in Wien nun, würde nun sehr ängstlich werden, bei diesem besonderen Lächeln von Enlil.
"Ja, das Volk von Amerika. Man hat mich bereits über euch informiert, deshalb bin ich auch persönlich hier"
"Wo ist Osama Bin Laden!" entfuhr es dem US Botschafter, der schon leicht hysterisch wurde.
"Wer?" fragte Enlil nach.
"Bin Laden! Stell dich nicht dumm, arabischer Terrorist! Meine Leute haben Methoden, um an Informationen zu kommen!" drohte er Enlil.
Enlils Lächeln wurde nun noch tödlicher.
"Achso? Wissen Sie, meine Leute haben auch Methoden, um an ihr Ziel zu kommen. Wir können gerne einmal vergleichen"
"Das kennen wir schon! Feige Terroranschläge auf das World Trade Center, das ist alles, was ihr könnt! Doch kommt es wirklich hart auf hart und zu einem Krieg, dann wird Amerika gewinnen. Amerika wird die Achse des Bösen auslöschen und ewigwährenden Weltfrieden durchsetzen".
"Oh ja, darüber hat man mich auch informiert. Über die, sagen wir mal unumstössliche Heißblütigkeit ihres Volkes, wo andere Völker noch gemäßigter sein mögen. Über ihre schwere, schwere Wunde des World Trade Centers, über ihren Krieg gegen den Terror. Das ist mir alles egal. Wir werden einige Satelliten von ihnen abschießen, alle, die sich in unseren Umlaufbahnen befinden und Sie können nichts dagegen tun"
"Amerika wird das nicht dulden, England und der Rest der Welt wird uns schon helfen!" brüllte der US Botschafter weiter.
"Ähm..." sagte der englische Botschafter leicht verlegen, doch Enlil unterbrach ihn rasch.
"Nun, US Männchen, wie ich sehe, sind sie schwerer zu überzeugen von einem Mann, der plötzlich aus dem Nichts auftaucht und weitaus überlegenere Technologie besitzt, als alles, was sich hier auf diesem Planeten befindet. Darum habe ich eine kleine...sagen wir einmal Demonstration für Sie vorbereitet".
Daraufhin drückte Enlil einen Knopf auf einem Gerät an seinem Handgelenk und ein holographischer Bildschirm wurde groß schwebend in der Luft projiziert, der New York City zeigte.
Zuerst beeindruckt, fing sich der US Botschafter dennoch rasch wieder.
"Das ist simple Holographie. Da haben die Terroristen halt etwas mehr geforscht als wir, wir haben die besseren Waffen dafür" sagte er zu seinen Kollegen, um so viele Nationen wie möglich für den Krieg des Friedens zu finden. Diese zogen jedoch im Moment den Frieden des Friedens vor.
"Och, das ist doch nicht die Demonstration, kleiner ungeduldiger US Mann." sagte Enlil und drückte einen weiteren Knopf an seinem Handgelenk.
"Das hier ist sie" sagte er nun mit finsterer Mine.
Über der breiten Skyline von New York erschien auf einmal wie aus dem Nichts ein schwarzes fliegende Objekt. Ein kleiner heller Lichtpunkt löste sich von dem Objekt und stürzte auf New York City herab. Er verschwand hinter der hohen Skyline und weniger Sekunden später zerbrachen Gebäude und eine grelle Lichtwelle breitete sich über New York City aus. Als sich nach wenigen Minuten der Staub gelegt hatte, waren nur noch verbrannte Ruinen und Asche zu sehen.
"Toll ein Video" lachte der US Botschafter. "Soll ich Ihnen diese Computeranimation wirklich glauben?!"
Enlil lächelte ihn nur an und wartete einige Moment ab, als Minuten nach dieser Lichtshow ein aufgeregert Mitarbeiter des US Botschafters zu ihm stürzte und ihn etwas ins Ohr flüsterte.
"Sagen Sie es ruhig laut, werter Nachrichtenübermittler!" rief Enlil ihm zu,
Dieser schluckte schwer und hielt es für das Beste, Enlil zu gehorchen.
"Erdbebenstationen rund um New York City haben vor einigen Minute enorme Erschütterungen in der Stadt festgestellt...jede Verbindung zur Stadt ist abgebrochen...Flugzeuge in der Nähe verschwanden vom Radarschirm. Wir bekommen keine Verbindung mehr zu New York City..." stammelte er verwirrt.
"Was haben Sie mit unserer Technik in New York City angestellt?!" brüllte der US Botschafter, "wie haben Sie diesen Trick vollführt?!".
"Entschuldigen Sie die Störung!" rief ein weiterer, hereinstürmender Amerikaner, bleich im Gesicht vor Schock. "Herr Botschafter...Helikopter schweben über New York...es...es ist furchtbar...New York ist weg...es ist...vollkommen zu Staub und Asche zerfallen...alles...wirklich alles ist vernichtet dort...Millionen von Menschen auf einem Schlag...alle weg...New York City...ist weg...nur noch verbrannte Erde...meine Frau..." stammelte er.
"Sie Atombomben werfender Mistkerl!" rief der US Botschafter zu Enlil.
"Aber aber" sagte dieser ruhig, "wie gesagt, ich bin kein Terrorist. Ich bin kein arabischer oder was Sie da sagten und das war nicht einmal eine Nuklearwaffe, das ist Babyspielzeug. Das war eine simple, kleine, Antimateriedetonation. Oder sollte ich sagen, Antimateriedemonstration?" lachte Enlil.
"Sie verfluchter..." schrie der US Botschafter voller Wut.
"Ah!" stoppte Enlil ihn, "Sie hören mir jetzt ZU. Ihr GOTT ist wieder hier und ihr Gott hat wenig Zeit noch Nerven sich mit Kleinigkeiten abzugeben."
Enlil bewegte sich vom Rednerpult weg und sagte in Richtung aller Botschafter:
"Wir haben diese Zivilisation erschaffen, wir zerstören sie, wann immer wir wollen. Diese Stadt war nur der Anfang...es muss aber nicht weitergehen. UNS gehört dieser Planet, samt seinem Orbit. Und der Orbit ist uns nun wichtig, wir werden nichts weiter zerstören, außer, jemand braucht noch eine Demonstration?"
Bedrückende Stille herrschte im Besprechungssaal.
"Gut. Der Wille Gottes geschehe. Macht mich nicht schon wieder wütend, Lulus" sagte Enlil und spuckte dabei fast das Wort "Lulus" aus, mit dem jedoch niemand etwas anfangen konnte.
"Ich bin kein Terrorist. Ich bin ein Mann mit einer Vision. Und wenn dieser Vision irgendetwas, irgendetwas, im Weg stehen sollte...wird es weggeräumt" drohte Enlil erneut und verschwand wieder aus dem Besprechungssaal, in dem nun Todesstille herrschte.
New York City lag in Schutt und Asche.
Millionen Menschen auf einen Schlag ausgelöscht durch den Willen eines Gottes.
Ein Gott, der schon vor Tausenden Jahren auf diesem Planeten aufgehört hatte, irgendeine Reue oder Moral gegenüber den Lebewesen hier, den Lulus, zu hegen.
Ein Gott mit einem toten Herzen.
Alhym - 1. Dez, 23:20
Planet Bad-Tibira
Offener Ozean
Ein kleines, aber gut ausgerüstetes, Fischerboot trieb auf dem offenen Ozean der Weltmeere von Bad-Tibira. Ein Vater, ein sehr erfahrener Fischer und bootskundiger Seefahrer, und sein Sohn betrachteten gelangweilt die in einer Reihe aufgestellten, verschiedenartigen Angeln, alle ausgerüstet mit unterschiedlichen Ködern.
Das Boot selbst bewegte sich langsam vorwärts, um so eine kleine Bewegung der Köder zu erzeugen, die die Fische an reale Beute denken lassen sollte anstatt unbeweglicher und offensichtlicher Fallen.
Die Sonne stand hoch am Horizont und der Vater blickte zu ihr auf.
Sie war auf dem Planeten das heilige Symbol für Nugig, dem Gottherrscher auf Bad-Tibira.
Nachdem dieser und weitere Götter vor vielen Jahrtausenden hier gelandet waren, waren sie vor einigen Monaten zurückgekommen und behaupteten ihr Herrschaftsrecht über den Planet und sein Volk erneut. Das Volk von Bad-Tibira freute sich, dass ihre Götter endlich zurückgekommen waren, doch diese interessierten sich nicht wirklich für die Belange des Volkes wie Missernten oder Krankheiten. Die Götter blieben eher unter sich und erklärten einige Regionen von Bad-Tibira zu einem heiligen Sperrgebiet, dass unter keinem Umständen von einem ihre Anhänger betreten werden dürfe.
Das Boot segelte in der Nähe einer solche Zone, doch der Vater dachte sich, dass die allmächtigen Götter schon nichts dagegen haben werden, wenn ein einfacher Fischer mit seinem Sohn hier angeln würde. Immerhin waren sie allmächtig, sie konnten sich soviel Fisch holen, wie sie nur wollten, und all dies scheinbar ohne jegliche Mühe.
Außerdem war weit und breit nichts zu sehen am Horizont, was irgendwie auch nur entfernt an ein heiliges Symbol oder eine heilige Stätte der Götter erinnerte. Deshalb machte sich der Vater keine großen Sorgen deswegen.
"Hach" seufzte der Sohn gelangweilt.
"Hm?" fragte der Vater nach, "alles in Ordnung?"
"Das ist extrem langweilig, fischen..." seufzte der Sohn weiter und sah leicht grummelig aus.
"Tut mir leid, Sohnemann. Damit verdienen wir nun mal unser Geld seid Generationen und ich hoffe, auch du wirst diese Tradition fortsetzen. Auch wenn dir gerade jetzt eventuell andere Gedanken durch den Kopf gehen"
"Was meinst du damit?" wollte der gelangweilte Sohn wissen.
"Mädchen, was sonst. Ich bin mir sicher, dass dir in deinem Alter gewisse Veränderungen am anderen Geschlecht auffallen werden" lächelte der Vater verständnisvoll bei dem Versuch, ein Gespräch über Sexualaufklärung mit seinem Sohn anzuzetteln.
"Ach Vater!" sagte der Sohn, "darüber will ich wirklich nicht mit dir reden!"
"Oh. Auch gut" sagte der Vater enttäuscht.
"Fischen ist halt einfach nur langweilig" sagte der Sohn.
"Oh? Damit bring ich unser täglich Brot auf den Tisch und du findest es langweilig? Was könnte man denn sonst noch tun, was viel spannender wäre?" fragte der Vater nun leicht gehässig.
"Ich weiß nicht, etwas anderes halt. Ich könnte Baumeister werden oder...ein Sportler. Oder vielleicht sogar Diener der Götter in den heiligen Tempeln, aber Fischen...das ist so öde. Ich kann den Geruch von Fisch schon fast garnicht mehr ertragen" jammerte daraufhin der Sohn weiter, als beide kurze in leichtes Kribbeln im Körper verspürten und sich nichts dabei dachten. Es war wohl eine kleine Windbrise gewesen und obwohl sie keiner von beiden gespürt hatte, waren sie sicher, dass der jeweils andere es sicher gespürt hatte, da niemand was Besonderes sagte.
"Fischen kann aber auch sehr herausfordernd und spannend sein. Siehst du, du brauchst je nach Fisch sehr viel Wissen, über dessen Verhalten, über richtige Köder, richtige Angelmethode und natürlich richtige Fischplätze und -zeiten" fuhr der Vater fort, nun in einem fischerlichen Hoch.
Daraufhin riss der Sohn seine Augen verwundert auf und der Vater freute sich über das plötzlich Interesse des Sohns.
"Siehst du, es ist doch garnicht so langweilig. Du kannst zum Beispiel nur Kleefliegen oder gewisse Libellenarten verwenden um Karonifische zu fangen, aber auch nur, wenn es nicht schon allzu dunkel ist und wenn du diese Köder leicht in Bewegung hältst. Machst du einen kleinen Fehler, kommst du ohne Fisch zurück, damit ohne Geld und deine Familie muss hungern. Siehst du, du trägst viel Verantwortung".
Dem Sohn stand nun mittlerweile sein Mund offen. Es schien so, als wollte er etwas sagen wollen, doch es blieb ihm im Hals stecken.
Der Vater war voller Freude ob der unerwarteten und schieren Begeisterung seines Sohnes für das Fischen. Er lächelte ihn an, als er ihm gerade die Tricks und Kniffe zum Fangen der wirklich großen Fische, ein altes Familiengeheimnis, verraten wollte.
Doch der Sohn hieb nur, mittlerweile kreidebleich, einen Arm und deutete auf etwas hinter dem Vater, der entgegen der Fahrtrichtung saß.
"Oh mein...Gott" stammelte der Sohn erstaunt und voller Ehrfucht, als das Boot plötzlich gegen ein Objekt stieß und Vater und Sohn wild durchgeschüttelt wurden.
Als sich der Vater wieder aufrichtete, bemerkte er, dass etwas ein Loch in das Boot gerissen hatte, dass nun langsam zu sinken begann. Er blickte auf und sah vor sich eine große, mit wenigen zackigen Ausstülpungen versehene und schwarze Wand.
Der Vater gab sich schließlich richtig Mühe und sah an der gigantischen Wand empor.
Er erkannte eine Struktur, die entfernt an eine Knospe erinnerte. Spitzzulaufende Ausstülpungen brachen aus der Struktur aus, um sich weiter oben wieder an sie anzuschmiegen. Von der Spitze bis zur breiten Basisfläche der Struktur war diese durchzogen von weiß schimmernden Strängen. Sie sahen fast aus wie Perlmutt und schimmerten ähnlich, doch schienen sie aus einer Art Kristall oder Glas zu bestehen.
Ehrfürchtig vor diesem offensichtlich göttlichem Heiligtum stehend, dass vorher nicht zu sehen gewesen war, obwohl man es sehen hätte müssen, bemerkte der Vater jedoch das rasch im Boot ansteigende Wasser.
Er wurde von Panik um ihr Leben gepackt, da er nicht wirklich auf den Fall einer Kenterung vorbereitet war. Sie waren mitten am Ozean, kein Boot oder sonstwas war in Sicht, bis auf diese gigantische göttliche Knospe und der Vater war sich sicher, dass sie beide hier sterben würden.
In Todesangst warf sich der Vater auf die Knie und zwang auch seinen Sohn nun zu beten, vor diesem göttlichen Heiligtum. Vielleicht hörte sie ja ein Gott und könnte ihnen helfen.
Der Vater betete um das Leben von beiden. Er rief alle Götter um Hilfe an die er kannte und flehte sie an, das Leben von ihn und seinem Sohn zu verschonen.
Doch kein schwarzer Flugvogel der Götter tauchte auf, noch zeigte sich plötzlich ein Gott wie aus dem Nichts, noch kam irgendeine Antwort aus mysteriösen Objekten, eine Stimme ohne Körper, die Seele eines Gottes.
Als beiden das Wasser bis zum Hals stand, wurden sie plötzlich von einem bläulichen Strahl, ausgehend von der heiligen Knospe erfasst und verschwanden Sekunden später.
Sie fanden sich völlig durchnässt in einem großen Raum wieder, der eine komplette Reihe an Fenster aufwies. Sie starrten gebannt auf das vor ihnen liegende offene Meer und wussten, dass sie sich nur an einem Ort befinden konnten. Die heilige Knospe des Lebens hatte sie in ihrem Schoß aufgenommen um sie dort zu beschützen. Das Symbol des Lebens hat ihnen das Leben gerettet.
Schließlich sagte eine Stimme hinter ihnen "Hach, wieso können Lebewesen nicht einmal auf das hören, was ihre Götter ihnen befehlen".
Der Vater drehte sich um und blickte seine hohe Gottheit Nugig an.
Geschockt vor Ehrfurcht wollte er etwas sagen, irgendetwas. Er hatte noch nie wirklich einen Gott gesehen, nur davon gehört, und nun stand ein leibhafter Gott vor ihm und hatte ihm und seinem Sohn das Leben gerettet.
"Trocknet euch erstmal ab" sagte Nugig freundlich und Engel, die Diener der Götter, kamen und führten die beiden hinfort.
Nugig ging zu der Fensterreihe und blickte auf den Ozean hinaus.
"Was für ein schöner Planet das doch ist" dachte er traurig.
Alhym - 1. Dez, 22:46