Die Geschichte von Sippar (2) - Der Fall der Nephilim
Sodom und Gomorrha
Menschliche, zusammengewachsene Städte
An diesem dunklen Abend betraten zwei Seraphim, Botschafter und Nachrichtenübermittler eines Elohim, das Stadtgemisch "Sodom und Gomorrha". Obwohl sie ihrer Meinung nach das Richtige taten, war ihnen nicht ganz wohl bei der Sache. Einerseits tickte ein unstoppbarer Countdown gegen sie und andererseits würde diese Aktion Enlil wohl noch mehr aufregen.
Dabei war er doch eigentlich einmal so nett gewesen.
Doch seitdem die Menschen nun fertil waren und sich selbstständig fortpflanzen konnten, verloren die Elohim langsam die Kontrolle über die Menschen. Was Enlil jedoch viel schlimmer traf, war der langsame moralische Verfall seiner eigenen Leute, der Elohim. Einige von ihnen fanden weibliche Menschen hübsch und paarten sich mit ihnen, den Genpool beider Rassen noch mehr vermischend und, wenn es nach Enlil ging, die Gene der Elohim noch weiter verschmutzend. Enki sah die ganze Sache viel lockerer und erfreute sich ob der Kultur, die die Menschen langsam entwickelten. Ihm missvielen jedoch auch viele Dinge an den Menschen, er legte diese jedoch nicht, wieso auch immer, auf die gesamte Menschheit um.
Seit einigen Jahren war nun mittlerweile auch der Kontakt zur Heimatwelt abgebrochen. Raumschiffe, die mit Rohstoffen dort landen sollten, kamen einfach nicht wieder zurück, um die neuen Lieferungen von Sippar wegzuschaffen. Enlil hatte darauf zwei Aufklärungsschiffe losgeschickt, doch die Rückkehr dieser Raumschiffe würde noch auf sich warten lassen. Die Heimat war sehr weit weg von Sippar.
Diese Tatsache schien die Stimmung von Enlil noch weiter zu drücken. Er war hierhergekomemn, um mit seinesgleichen Rohstoffe zu fördern und diese zurück zur Heimat zu schicken. Nun war der Kontakt zur Heimat weg, die Elohim verfielen langsam moralisch und die simple Aufgabe des Rohstoffabbaus hatte sich ob der großen Entfernung zur Heimatwelt plötzlich in ein zoologisches Experiment, genannt Menschheit, entwickelt. Enlil würde sich für all dies verantworten müssen, da er der Leiter dieser Mission war.
Die zwei Seraphim sahen sich gewissentlich um, da Sodom und Gomorrha keine freundliche Stadt der Menschen war.
Die von den Göttern, den Elohim, aufgestellten Verhaltensregeln wurden immer öfter missachtet und während Enki es als Ausdruck einer wachsenden selbstständigen Kultur sah, sah es Enlil als unverzeihlichen Frevel an.
Eine milde Brise wehte über die Straße, in der sich die Seraphim nun befanden. Einer der Seraphim deutete auf ein gewisses Haus und der andere nickte bestätigend. Vorsichtig gingen sie durch die kleinen Gassen in Richtung dieses Hauses.
Sodom und Gomorrha war mittlerweile zu einer Sündenstadt für Menschen und Elohim geworden. Hier galten fast keine Regeln mehr und wenige Elohim hatten sich von ihren Brüdern und Schwestern abgewandt und genossen nun das moral- und regelbefreite Leben, dass sie nun führen konnten. Die zwei Seraphim konnten zwar auch nicht alles verstehen beziehungsweise wollten nicht alles billigen, doch die "ultimative Lösung" die Enlil befohlen hatte, und die die ihm noch treuen Elohim gerade vorbereiteten, war ihnen dann doch zu grausam.
Im geheimen Auftrag von Enki erreichten sie ein gewisses Haus und klopften dreimal an die Tür.
"Wer dort, zu so später Stund'?" kam eine männliche Stimme aus dem Haus.
"Seraphim, Boten des Gottes Enki. Öffne die Tür, Lot" sagte einer der Seraphim.
"Woher soll ich wissen, dass ihr nicht einige dieser lasterhaften Gestalten seid, die sich Mensch schimpft und in dieser Stadt wohnt, Fremde?"
"Weil ich in 10 Sekunden deine Tür in Flammen aufgehen lasse und ebenfalls hereintreten werde, wenn du nicht normal aufmachst, Lot" antwortete der Seraphim.
Nach einer Schweigepause von 8 Sekunden antwortete Lot schließlich "Verstanden, bitte tretet ein oh ehrwürdige Seraphim, Boten Enkis" und öffnete die Tür.
Die zwei Seraphim betraten das kleine, schlichte Wohnzimmer des Hauses und die Frau von Lot machte kurz einen höfischen Knicks zur Begrüßung der beiden. Diese lächelten sie daraufhin nur freundlich an, wie das eben Boten Gottes so tun, wenn sie nicht gekommen waren um die Erstgeborenen zu töten.
"Kann ich den ehrwürdigen Engeln dienen?" fragte die Frau höflich. "Kann ich Lucifero eine Opfergabe erbringen? Ich hoffe doch, wir waren fromm genug, falls nicht, bitte verzeiht!".
Einer der Seraphim sah kurz verwirrt seinen Kollegen an, als er schließlich fragte "Lucifero?"
"Ja" sagte Lot, der es für unangebracht hielt Frauen Dinge wie Religion oder Denken zu überlassen, "Lucifero der Lichtbringer. Lucifero, der uns Wissen gab und die Fähigkeit zur Erkenntnis des Weibes"
"Sex" flüsterte der zweite Seraphim dem anderen ins Ohr.
"Oh" sagte dieser daraufhin.
"Lucifero, der die Menschen befreit hat und uns hilft. Lucifero, dessen Name ebenfalls Enki ist." beendete Lot seine Rede.
"Danke für die Erklärung" sagte der Seraphim freundlich und wandte sich zur Frau "Danke ebenfalls, wir brauchen derzeit nichts und Enk...Lucifero ist ebenfalls zufrieden mit euch. Ja, sogar so zufrieden, dass er euch retten will. Drum müsst ihr jetzt mitkommen"
"Retten?" fragte die Frau leicht entsetzt.
Lot, der einen kurzen Blick zu seiner frechen, selbstständig redenden Frau warf, die in typischer Frauenmanier sofort in Panik verfiel und hilflos wurde, unterdrückte kurz selbst seine Panik und Hilflosigkeit in männlicher Manier und sagte mit möglichst gelassener Stimme "Retten?", jedoch klang es mehr wie als hätte er einen enormen Harndrang und kämpfte derzeit dagegen verbissen an.
"Gott Enlil wird Sodom und Gomorrha ob seiner Sünden vernichten lassen. Sehr bald. Wir haben nicht ewig Zeit. Doch Gott Enki, Lucifero, hat euch die Gnade des Lebens erwiesen und deshalb sind wir hier, um euch zu retten und von hier fortzubringen."
"Gott Enlil ist uns hier bekannt als Gott Jahwe" belehrte Lot seine Frau, die daraufhin Dankbarkeit spielte.
"Jahwe, von mir aus. Egal, er wird Sodom und Gomorrha vernichten lassen." sagte der Seraphim.
"Wird Gott Feuer und Schwefel vom Himmel regnen lassen, um die Sünder dieser Stadt auszutilgen?" fragte Lot.
"Zu Staub zerfallen lassen, trifft es besser" flüsterte der zweite Seraphim zu seinem Kollegen. Doch der mit Lot sprechende Seraphim fand, dass Lot das sowieso nicht verstehen könnte, was nun wirklich auf Sodom und Gomorrha zukam, also bestätigte er einfach die Sache mit dem Feuer und dem Schwefel.
"Ein phantastisches Schauspiel wird das werden, Weib!" freute sich Lot, "Vielleicht kann es dein frauischer Intellekt nicht so ganz erfassen, aber die bunten Farben werden dich garantiert faszinieren!".
"Den sollen wir retten?" flüsterte der zweite Seraphim.
"Vielleicht geht es Enki auch nur um die Frau..." flüsterte der erste Seraphim.
"Oder Enki hat langsam einen Knall..." antwortete der zweite Seraphim.
"Nun, lasset mich noch meine geliebten Bücher mitnehmen und mein Eheweib kann ihre Kleidung einpacken, dann sind wir in ungefähr einer Stunde soweit" sagte Lot.
"Wir haben keine Stunde mehr Zeit Lot. Gottes Rache ist auf dem Weg, es nicht aufhaltbar." sagte der erste Seraphim ruhig. "Wir gehen jetzt entweder mit dir, oder ohne dir und deiner Frau hier weg, entscheide weise".
"Dann wähle ich doch glatt das Leben!" sagte Lot wiederrum freudig.
"Sehr gut" sagte der erste Seraphim und schritt zur Haustür. "Lasst uns dann mal..." begann er, als er die Tür öffnete und rasch wieder zuschlug. "Wir haben ein Problem" fügte er hinzu.
"Was ist los?" fragte der zweite Seraphim.
"Oh, ein Auflauf an Sündern, draußen vor meinem Hause!" entfuhr es Lot wütend, der durch die Fenster die heranströmenden Menschenmassen sah.
"Sie müssen das Merkabah gesehen haben" sagte der erste Seraphim besorgt, als er von dem kleinen Transportschiff der Elohim names Merkabah sprach. "Ich bin mir sicher sie haben das Leuchten der Steuerdüsen gesehen oder sonst etwas, auf jedenfall haben sie bemerkt, dass ein Seraphim gekommen sind und sind nun hier wegen uns".
"Was könnten die von uns wollen?" fragte der zweite Seraphim.
"Lot!" rief eine männliche Stimme von draußen, "Gib uns die zwei Seraphim! Wir wollen sie! Wir wollen sie erkennen und das menschliche Geschlecht noch näher zu Gott bringen!"
Der zweite Seraphim war kurz verwirrt vom Ausdruck "sie erkennen" und erinnerte sich dann an die seltsame Ausdrucksweise der Menschen.
"Die wollen doch nicht etwa...und das mit uns?!" sagte er kurz nervös.
Der erste nickte nur besorgt und sagte nun, eher ausfälliger gegenüber Sterblichen, doch in dieser Situation ließ er das ganze Getue um heilige Engel und so weiter fallen "Doch, aber mein Arsch gehört mir und nur mir".
"LOT! Gib sie uns oder wir holen sie uns!" rief der Mann erneut, als sich Menschen auf eklige Art und Weise an den Fenster rieben, daran pochten, sie sogar ableckten und konstant gegen die Tür geschlagen wurde.
"Oh, Lucifero helfe uns!" sagte die Frau von Lot angsterfüllt.
"Seraphim, ruft euren Herren, er soll kommen und diese Sünder aufhalten, damit wir passieren können!" forderte Lot von den zwei Engeln und hoffte, das Ganze nicht allzu fordernd und eher nett fragend gesagt zu haben. Immerhin waren sie Engel.
"Hast du Blendgranaten dabei?" fragte der erste Seraphim den zweiten.
"Ja" antwortete dieser kurz und zog eine aus einer kleinen Tasche, die an seiner Hüfte befestigt war.
"Lot! Lots Frau, wie auch immer dein Name sein mag! Mitkommen!"
"Mein Name ist..." begann Lots Frau, wurde jedoch prompt von Lot unterbrochen "Frauen sprechen nicht mit den Heiligen direkt, nur Männer haben diese geistige Kapazität. Au, du bist mir gerade auf den Fuß getreten!"
"Entschuldige Liebling, das muss ein Versehen gewesen sein. Meine geistige Kapazität wurde wohl gerade vom Ansprechen des Seraphims überfordert"
"Dir sei verziehen" sagte Lot und meinte es auch so.
"Augen zuhalten!" rief der zweite Seraphim, woraufhin Lot und seine Frau dies taten und die beiden Seraphim ihre Arme vor ihr Gesicht hielten.
Der erste öffnete rasch die Tür, sah kurz grinsend in lüsterne und dreckige Gesichter und erkannte auch einen Elohim unter ihnen, bevor der zweite Seraphim die Blendgranate mitten in die Menge warf und kurze Zeit später alle Menschen kurz ein weißes Flackern sahen und danach absolut Schwärze.
Die zwei Seraphim nutzten die Verwirrung der Menschen und packten jeweils Lot und seine Frau am Handgelenk, als sie durch die verwirrte und erblindete Menge drang und zur Grenze der Stadt liefen.
"Was für ein Zauberwerk! Das ist die Macht Gottes!" erfreute sich Lot.
"Ja, ruf ruhig noch lauter, damit sie uns finden" sagte der erste Seraphim sarkastisch und überlegte kurz, bevor er noch anfügte "Das soll heißen: Tu das ja nicht".
Als die 4er Gruppe einen kleinen Hügel in der Nähe der Stadt hochgelaufen war, erkannte der erste Seraphim bereits einen hellen Lichtpunkt am Firmament, der langsam näher kam. Panik kroch in ihm hoch, da sie nicht mehr viel Zeit hatten.
"Zuhören!" befahl er Lot und seiner Frau, "Wir müssen rasch hinter diese Bergkette, oder der Atem Gottes wie ihr es nennt wird uns befallen und darauf hab ich echt keine Lust. Bleibt nicht stehen, dreht euch nicht um, um es anzusehen, ihr würdet zu Staub zerfallen!"
"Zu Salz? Eine Salzsäule?!" rief Lot, da langsam ein Donnern in der Luft zu hören war, dass von dem Lichtpunkt ausging.
"STAUB du IDIOT!" rief der erste Seraphim doch das Geräusch übertönte ihn bereits.
"Komm Weib, du musst laufen, oder hast du nicht verstanden was der Seraphim sagte?!" rief Lot, "Hach diese Frauen!".
In dieser Sekunde riss Lots Frau der Geduldsfaden. Sie überlegte kurz, ob sie stehenbleiben und zu Staub zerfallen solle oder den Rest ihres Lebens mit Lot verbringen.
Schließlich war die Entscheidung getroffen, als sie stehenblieb und sich auf ein freuiges und schwefeliges Spektaktel freute.
"Weib?! Ach diese Frauen, so leicht abgelenkt von bunten Lichtern!" rief Lot und Lots Fraue wusste nun mehr, dass ihre Entscheidung richtig war.
Die zwei Seraphim und Lot waren bereits hinter der schützenden Bergkette angekommen, als die Bewohner von Sodom und Gomorrha angsterfüllt nach oben sahen und der rasch näherkommende Lichtpunkt vom Himmel langsam zu glänzen begann. Auch Lots Frau erkannte langsam eine längliche Struktur. Es sah fast so aus wie ein Schem der Götter, die länglichen Fahrzeuge, die den Himmel durchschneiden und zum Sternenmeer gelangen konnte. Doch Lots Frau wusste, dass dieses Schem hier kein Transportschem, sondern ein Schem der Vernichtung war.
Das Letzte was sie sah war, wie das Schem mit hoher Geschwindigkeit in Sodom und Gomorrha einschlug und daraufhin eine mit Feuer und Schwefel glühende Rauchsäule gen Himmel schoss, die sofort alles in ihrer Umgebung zu Staub zerfielen ließ und den Boden der Stadt in Glas umwandelte. Lots Frau zerfiel zu Staub, als eine Wolke aus Millionen Grad heißer Luft ihren Körper traf und eine Druckwelle verbrannte Bäume umriss. Der Atem Gottes breitete sich über das Land aus, ließ Vögel tot vom Himmel fallen und vergiftete alles, was in ihm Weg stand.
Nur die zwei Seraphim und Lot waren sicher hinter dem schützenden Felsmassiv, hinter dem sie sich versteckt hatten.
Die radioaktive Strahlung der Nuklearwaffe, die eben Sodom und Gomorrha vernichtet hatte, konnte den Fels nicht mehr durchdringen.
Wenige Tage später erfuhr Enlil von der Rettung eines Menschen auf den Befehl von Enki hin. Enlil war außer sich vor Wut und sprach ein Machtwort gegenüber Enki und seinen menschenfreundlichen Anhängern. Sie waren von nun an als Nephilim, Ausgestossene, bekannt. Sie wurden auf Erden verbannt und konnten nicht mehr in die von den Elohim gebauten Orbitalstationen zurückkehren. Doch die Nephilim, die vom Himmel ausgestossenen Götter, wollten sich damit nicht zufrieden geben. Besonders Enki nicht.
Er wollte nur den Menschen helfen, den Wesen, die mit ihrer DNS geschaffen wurde. Und als Strafe dafür, wurde er von seinesgleichen, den Elohim ausgeschlossen? Das konnte es nicht sein. Es war Zeit für einen Putsch. Enlils Wahnsinn musste gestoppt werden.
Der Gott Enki und seine Anhänger erklärten dem Gott Enlil und seinen Anhängern den heiligen Krieg.
Menschliche, zusammengewachsene Städte
An diesem dunklen Abend betraten zwei Seraphim, Botschafter und Nachrichtenübermittler eines Elohim, das Stadtgemisch "Sodom und Gomorrha". Obwohl sie ihrer Meinung nach das Richtige taten, war ihnen nicht ganz wohl bei der Sache. Einerseits tickte ein unstoppbarer Countdown gegen sie und andererseits würde diese Aktion Enlil wohl noch mehr aufregen.
Dabei war er doch eigentlich einmal so nett gewesen.
Doch seitdem die Menschen nun fertil waren und sich selbstständig fortpflanzen konnten, verloren die Elohim langsam die Kontrolle über die Menschen. Was Enlil jedoch viel schlimmer traf, war der langsame moralische Verfall seiner eigenen Leute, der Elohim. Einige von ihnen fanden weibliche Menschen hübsch und paarten sich mit ihnen, den Genpool beider Rassen noch mehr vermischend und, wenn es nach Enlil ging, die Gene der Elohim noch weiter verschmutzend. Enki sah die ganze Sache viel lockerer und erfreute sich ob der Kultur, die die Menschen langsam entwickelten. Ihm missvielen jedoch auch viele Dinge an den Menschen, er legte diese jedoch nicht, wieso auch immer, auf die gesamte Menschheit um.
Seit einigen Jahren war nun mittlerweile auch der Kontakt zur Heimatwelt abgebrochen. Raumschiffe, die mit Rohstoffen dort landen sollten, kamen einfach nicht wieder zurück, um die neuen Lieferungen von Sippar wegzuschaffen. Enlil hatte darauf zwei Aufklärungsschiffe losgeschickt, doch die Rückkehr dieser Raumschiffe würde noch auf sich warten lassen. Die Heimat war sehr weit weg von Sippar.
Diese Tatsache schien die Stimmung von Enlil noch weiter zu drücken. Er war hierhergekomemn, um mit seinesgleichen Rohstoffe zu fördern und diese zurück zur Heimat zu schicken. Nun war der Kontakt zur Heimat weg, die Elohim verfielen langsam moralisch und die simple Aufgabe des Rohstoffabbaus hatte sich ob der großen Entfernung zur Heimatwelt plötzlich in ein zoologisches Experiment, genannt Menschheit, entwickelt. Enlil würde sich für all dies verantworten müssen, da er der Leiter dieser Mission war.
Die zwei Seraphim sahen sich gewissentlich um, da Sodom und Gomorrha keine freundliche Stadt der Menschen war.
Die von den Göttern, den Elohim, aufgestellten Verhaltensregeln wurden immer öfter missachtet und während Enki es als Ausdruck einer wachsenden selbstständigen Kultur sah, sah es Enlil als unverzeihlichen Frevel an.
Eine milde Brise wehte über die Straße, in der sich die Seraphim nun befanden. Einer der Seraphim deutete auf ein gewisses Haus und der andere nickte bestätigend. Vorsichtig gingen sie durch die kleinen Gassen in Richtung dieses Hauses.
Sodom und Gomorrha war mittlerweile zu einer Sündenstadt für Menschen und Elohim geworden. Hier galten fast keine Regeln mehr und wenige Elohim hatten sich von ihren Brüdern und Schwestern abgewandt und genossen nun das moral- und regelbefreite Leben, dass sie nun führen konnten. Die zwei Seraphim konnten zwar auch nicht alles verstehen beziehungsweise wollten nicht alles billigen, doch die "ultimative Lösung" die Enlil befohlen hatte, und die die ihm noch treuen Elohim gerade vorbereiteten, war ihnen dann doch zu grausam.
Im geheimen Auftrag von Enki erreichten sie ein gewisses Haus und klopften dreimal an die Tür.
"Wer dort, zu so später Stund'?" kam eine männliche Stimme aus dem Haus.
"Seraphim, Boten des Gottes Enki. Öffne die Tür, Lot" sagte einer der Seraphim.
"Woher soll ich wissen, dass ihr nicht einige dieser lasterhaften Gestalten seid, die sich Mensch schimpft und in dieser Stadt wohnt, Fremde?"
"Weil ich in 10 Sekunden deine Tür in Flammen aufgehen lasse und ebenfalls hereintreten werde, wenn du nicht normal aufmachst, Lot" antwortete der Seraphim.
Nach einer Schweigepause von 8 Sekunden antwortete Lot schließlich "Verstanden, bitte tretet ein oh ehrwürdige Seraphim, Boten Enkis" und öffnete die Tür.
Die zwei Seraphim betraten das kleine, schlichte Wohnzimmer des Hauses und die Frau von Lot machte kurz einen höfischen Knicks zur Begrüßung der beiden. Diese lächelten sie daraufhin nur freundlich an, wie das eben Boten Gottes so tun, wenn sie nicht gekommen waren um die Erstgeborenen zu töten.
"Kann ich den ehrwürdigen Engeln dienen?" fragte die Frau höflich. "Kann ich Lucifero eine Opfergabe erbringen? Ich hoffe doch, wir waren fromm genug, falls nicht, bitte verzeiht!".
Einer der Seraphim sah kurz verwirrt seinen Kollegen an, als er schließlich fragte "Lucifero?"
"Ja" sagte Lot, der es für unangebracht hielt Frauen Dinge wie Religion oder Denken zu überlassen, "Lucifero der Lichtbringer. Lucifero, der uns Wissen gab und die Fähigkeit zur Erkenntnis des Weibes"
"Sex" flüsterte der zweite Seraphim dem anderen ins Ohr.
"Oh" sagte dieser daraufhin.
"Lucifero, der die Menschen befreit hat und uns hilft. Lucifero, dessen Name ebenfalls Enki ist." beendete Lot seine Rede.
"Danke für die Erklärung" sagte der Seraphim freundlich und wandte sich zur Frau "Danke ebenfalls, wir brauchen derzeit nichts und Enk...Lucifero ist ebenfalls zufrieden mit euch. Ja, sogar so zufrieden, dass er euch retten will. Drum müsst ihr jetzt mitkommen"
"Retten?" fragte die Frau leicht entsetzt.
Lot, der einen kurzen Blick zu seiner frechen, selbstständig redenden Frau warf, die in typischer Frauenmanier sofort in Panik verfiel und hilflos wurde, unterdrückte kurz selbst seine Panik und Hilflosigkeit in männlicher Manier und sagte mit möglichst gelassener Stimme "Retten?", jedoch klang es mehr wie als hätte er einen enormen Harndrang und kämpfte derzeit dagegen verbissen an.
"Gott Enlil wird Sodom und Gomorrha ob seiner Sünden vernichten lassen. Sehr bald. Wir haben nicht ewig Zeit. Doch Gott Enki, Lucifero, hat euch die Gnade des Lebens erwiesen und deshalb sind wir hier, um euch zu retten und von hier fortzubringen."
"Gott Enlil ist uns hier bekannt als Gott Jahwe" belehrte Lot seine Frau, die daraufhin Dankbarkeit spielte.
"Jahwe, von mir aus. Egal, er wird Sodom und Gomorrha vernichten lassen." sagte der Seraphim.
"Wird Gott Feuer und Schwefel vom Himmel regnen lassen, um die Sünder dieser Stadt auszutilgen?" fragte Lot.
"Zu Staub zerfallen lassen, trifft es besser" flüsterte der zweite Seraphim zu seinem Kollegen. Doch der mit Lot sprechende Seraphim fand, dass Lot das sowieso nicht verstehen könnte, was nun wirklich auf Sodom und Gomorrha zukam, also bestätigte er einfach die Sache mit dem Feuer und dem Schwefel.
"Ein phantastisches Schauspiel wird das werden, Weib!" freute sich Lot, "Vielleicht kann es dein frauischer Intellekt nicht so ganz erfassen, aber die bunten Farben werden dich garantiert faszinieren!".
"Den sollen wir retten?" flüsterte der zweite Seraphim.
"Vielleicht geht es Enki auch nur um die Frau..." flüsterte der erste Seraphim.
"Oder Enki hat langsam einen Knall..." antwortete der zweite Seraphim.
"Nun, lasset mich noch meine geliebten Bücher mitnehmen und mein Eheweib kann ihre Kleidung einpacken, dann sind wir in ungefähr einer Stunde soweit" sagte Lot.
"Wir haben keine Stunde mehr Zeit Lot. Gottes Rache ist auf dem Weg, es nicht aufhaltbar." sagte der erste Seraphim ruhig. "Wir gehen jetzt entweder mit dir, oder ohne dir und deiner Frau hier weg, entscheide weise".
"Dann wähle ich doch glatt das Leben!" sagte Lot wiederrum freudig.
"Sehr gut" sagte der erste Seraphim und schritt zur Haustür. "Lasst uns dann mal..." begann er, als er die Tür öffnete und rasch wieder zuschlug. "Wir haben ein Problem" fügte er hinzu.
"Was ist los?" fragte der zweite Seraphim.
"Oh, ein Auflauf an Sündern, draußen vor meinem Hause!" entfuhr es Lot wütend, der durch die Fenster die heranströmenden Menschenmassen sah.
"Sie müssen das Merkabah gesehen haben" sagte der erste Seraphim besorgt, als er von dem kleinen Transportschiff der Elohim names Merkabah sprach. "Ich bin mir sicher sie haben das Leuchten der Steuerdüsen gesehen oder sonst etwas, auf jedenfall haben sie bemerkt, dass ein Seraphim gekommen sind und sind nun hier wegen uns".
"Was könnten die von uns wollen?" fragte der zweite Seraphim.
"Lot!" rief eine männliche Stimme von draußen, "Gib uns die zwei Seraphim! Wir wollen sie! Wir wollen sie erkennen und das menschliche Geschlecht noch näher zu Gott bringen!"
Der zweite Seraphim war kurz verwirrt vom Ausdruck "sie erkennen" und erinnerte sich dann an die seltsame Ausdrucksweise der Menschen.
"Die wollen doch nicht etwa...und das mit uns?!" sagte er kurz nervös.
Der erste nickte nur besorgt und sagte nun, eher ausfälliger gegenüber Sterblichen, doch in dieser Situation ließ er das ganze Getue um heilige Engel und so weiter fallen "Doch, aber mein Arsch gehört mir und nur mir".
"LOT! Gib sie uns oder wir holen sie uns!" rief der Mann erneut, als sich Menschen auf eklige Art und Weise an den Fenster rieben, daran pochten, sie sogar ableckten und konstant gegen die Tür geschlagen wurde.
"Oh, Lucifero helfe uns!" sagte die Frau von Lot angsterfüllt.
"Seraphim, ruft euren Herren, er soll kommen und diese Sünder aufhalten, damit wir passieren können!" forderte Lot von den zwei Engeln und hoffte, das Ganze nicht allzu fordernd und eher nett fragend gesagt zu haben. Immerhin waren sie Engel.
"Hast du Blendgranaten dabei?" fragte der erste Seraphim den zweiten.
"Ja" antwortete dieser kurz und zog eine aus einer kleinen Tasche, die an seiner Hüfte befestigt war.
"Lot! Lots Frau, wie auch immer dein Name sein mag! Mitkommen!"
"Mein Name ist..." begann Lots Frau, wurde jedoch prompt von Lot unterbrochen "Frauen sprechen nicht mit den Heiligen direkt, nur Männer haben diese geistige Kapazität. Au, du bist mir gerade auf den Fuß getreten!"
"Entschuldige Liebling, das muss ein Versehen gewesen sein. Meine geistige Kapazität wurde wohl gerade vom Ansprechen des Seraphims überfordert"
"Dir sei verziehen" sagte Lot und meinte es auch so.
"Augen zuhalten!" rief der zweite Seraphim, woraufhin Lot und seine Frau dies taten und die beiden Seraphim ihre Arme vor ihr Gesicht hielten.
Der erste öffnete rasch die Tür, sah kurz grinsend in lüsterne und dreckige Gesichter und erkannte auch einen Elohim unter ihnen, bevor der zweite Seraphim die Blendgranate mitten in die Menge warf und kurze Zeit später alle Menschen kurz ein weißes Flackern sahen und danach absolut Schwärze.
Die zwei Seraphim nutzten die Verwirrung der Menschen und packten jeweils Lot und seine Frau am Handgelenk, als sie durch die verwirrte und erblindete Menge drang und zur Grenze der Stadt liefen.
"Was für ein Zauberwerk! Das ist die Macht Gottes!" erfreute sich Lot.
"Ja, ruf ruhig noch lauter, damit sie uns finden" sagte der erste Seraphim sarkastisch und überlegte kurz, bevor er noch anfügte "Das soll heißen: Tu das ja nicht".
Als die 4er Gruppe einen kleinen Hügel in der Nähe der Stadt hochgelaufen war, erkannte der erste Seraphim bereits einen hellen Lichtpunkt am Firmament, der langsam näher kam. Panik kroch in ihm hoch, da sie nicht mehr viel Zeit hatten.
"Zuhören!" befahl er Lot und seiner Frau, "Wir müssen rasch hinter diese Bergkette, oder der Atem Gottes wie ihr es nennt wird uns befallen und darauf hab ich echt keine Lust. Bleibt nicht stehen, dreht euch nicht um, um es anzusehen, ihr würdet zu Staub zerfallen!"
"Zu Salz? Eine Salzsäule?!" rief Lot, da langsam ein Donnern in der Luft zu hören war, dass von dem Lichtpunkt ausging.
"STAUB du IDIOT!" rief der erste Seraphim doch das Geräusch übertönte ihn bereits.
"Komm Weib, du musst laufen, oder hast du nicht verstanden was der Seraphim sagte?!" rief Lot, "Hach diese Frauen!".
In dieser Sekunde riss Lots Frau der Geduldsfaden. Sie überlegte kurz, ob sie stehenbleiben und zu Staub zerfallen solle oder den Rest ihres Lebens mit Lot verbringen.
Schließlich war die Entscheidung getroffen, als sie stehenblieb und sich auf ein freuiges und schwefeliges Spektaktel freute.
"Weib?! Ach diese Frauen, so leicht abgelenkt von bunten Lichtern!" rief Lot und Lots Fraue wusste nun mehr, dass ihre Entscheidung richtig war.
Die zwei Seraphim und Lot waren bereits hinter der schützenden Bergkette angekommen, als die Bewohner von Sodom und Gomorrha angsterfüllt nach oben sahen und der rasch näherkommende Lichtpunkt vom Himmel langsam zu glänzen begann. Auch Lots Frau erkannte langsam eine längliche Struktur. Es sah fast so aus wie ein Schem der Götter, die länglichen Fahrzeuge, die den Himmel durchschneiden und zum Sternenmeer gelangen konnte. Doch Lots Frau wusste, dass dieses Schem hier kein Transportschem, sondern ein Schem der Vernichtung war.
Das Letzte was sie sah war, wie das Schem mit hoher Geschwindigkeit in Sodom und Gomorrha einschlug und daraufhin eine mit Feuer und Schwefel glühende Rauchsäule gen Himmel schoss, die sofort alles in ihrer Umgebung zu Staub zerfielen ließ und den Boden der Stadt in Glas umwandelte. Lots Frau zerfiel zu Staub, als eine Wolke aus Millionen Grad heißer Luft ihren Körper traf und eine Druckwelle verbrannte Bäume umriss. Der Atem Gottes breitete sich über das Land aus, ließ Vögel tot vom Himmel fallen und vergiftete alles, was in ihm Weg stand.
Nur die zwei Seraphim und Lot waren sicher hinter dem schützenden Felsmassiv, hinter dem sie sich versteckt hatten.
Die radioaktive Strahlung der Nuklearwaffe, die eben Sodom und Gomorrha vernichtet hatte, konnte den Fels nicht mehr durchdringen.
Wenige Tage später erfuhr Enlil von der Rettung eines Menschen auf den Befehl von Enki hin. Enlil war außer sich vor Wut und sprach ein Machtwort gegenüber Enki und seinen menschenfreundlichen Anhängern. Sie waren von nun an als Nephilim, Ausgestossene, bekannt. Sie wurden auf Erden verbannt und konnten nicht mehr in die von den Elohim gebauten Orbitalstationen zurückkehren. Doch die Nephilim, die vom Himmel ausgestossenen Götter, wollten sich damit nicht zufrieden geben. Besonders Enki nicht.
Er wollte nur den Menschen helfen, den Wesen, die mit ihrer DNS geschaffen wurde. Und als Strafe dafür, wurde er von seinesgleichen, den Elohim ausgeschlossen? Das konnte es nicht sein. Es war Zeit für einen Putsch. Enlils Wahnsinn musste gestoppt werden.
Der Gott Enki und seine Anhänger erklärten dem Gott Enlil und seinen Anhängern den heiligen Krieg.
Alhym - 5. Dez, 16:53


