Amelia

Ungefähr 10.400 Jahre in der Vergangenheit
Planet ???
Ein Universitätsraum

In dem kleinen Universitätsraum war bereits seit einer halben Stunde eine spannende Diskussion am laufen.
"Ich denke nicht, dass man das so ausdrücken kann, wie du eben, Amelia" sagte ein junger Student zu einer jungen Frau mit kinnlangen, dunkelblonden Haaren und blauen Augen.
"Wieso nicht? Nach all unserem Wissen ist es bloß ein weiteres Lebewesen, wieso soll es nicht sterben können wie wir?"
"Nun" begann der junge Student und krempelte sich seine Ärmel hoch, als wolle er ein Baby entbinden, "ich würde nicht sagen, dass das Schicksal ein Lebewesen ist, beziehungsweise kein tatsächliches. Es dürfte sich viel mehr um eine Art Verkörperung handeln oder eine Projektion von kollektiven Gedanken, meiner Meinung nach aber nicht um reales Leben. Wo kein Leben, da kein Tod."
"Ha!" entfuhrt es Amelia, "erstens wissen wir noch garnicht genau um die genauen Grenzen zwischen Leben und Tod Bescheid, zweitens zeigen die Videoaufnahmen deutlich ein Kind. Die Crew hat noch in letzter Minuten alle Informationen über dieses Wesen hinzugefügt, bevor ihr der Schock zuviel wurde. Sie hatten sich mehr oder minder geopfert für uns, damit wir heute das Ganze verstehen und überleben können. Ich denke die Besatzung würde sich in ihrem 400 Jahre alten Weltraumgrab drehen, wenn sie hören würden, dass du Schicksal für kein reales Lebewesen hältst!".
Ob der junge Student nun bald ein Kind zur Welt bringen wollte mit seinem bloßen Händen oder nicht, es sah so aus, als würde es auf jedenfall bald blutig werden können. Amelia war eher heißblütig veranlagt. So interessant wie das zuerst klingen mag, wird es unangenehmer, wenn man ihre Faust in die Magengrube bekommt, weil man ihr ein "dummes Argument" entgegenbrachte.
"Das meinte ich doch garnicht." versuchte sich der junge Student zu verteidigen, "ich sagte bloß, dass das, was wir gesehen haben in dieser uralten Aufzeichnung nicht unbedingt die Realität sein muss. Ich erinnere nur an Vakuumfusionspumpen. Die erzeugen auch aus dem scheinbaren nichts Energie, fusioniert aus schwarzer Materie. Ebenfalls eine Art Täuschung".
"Also ist dieser Junge bloß eine Art schwarze Materie für dich, oder, wenn du es poetischer haben willst, ein Spiegelbild im Bewußtsein des Universums kommend von einer größeren Wahrheit?"
"Eventuell" wandte sich der junge Student aus der Sache raus, da Amelia sich langsam merklich mehr aufregte.
"Zumindest zeigt ihr beiden reges Interesse an transzendentaler Philosophie" freute sich der Vorlesende und derzeitige Diskussionsleiter. Er drehte sich zu einer großen, grünen Tafel um und wischte mit einem Schwamm die Worte "Schicksalskonzept" von der Tafel. Zwar gab es holographische Tafeln die mittels Gedanken Worte erscheinen lassen konnte, dennoch mochte er die antiken Geräte irgendwie.
Außerdem war es Gold wert in hitzigen Diskussionen mit einem Nagel über die grüne Oberfläche der Tafel zu fahren. Das verschafft Aufmerksamkeit und Ruhe pur.
"Die Zeit ist leider schon um" sagte der Vorlesende weiter, "ich möchte, dass ihr in Ruhe über das Konzept des Schicksals nachdenkt und für euch selbst versucht herauszufinden, was das für euch bedeutet."
"Das der kleine Balg eine ordentliche Tracht Prügel braucht" dachte sich Amelia still und heimlich.
"Nächste Woche treffen wir uns wieder hier zur selben Zeit und diskutieren die Entdeckung des Astralplaneten Tempus Morti."
"Nicht schon wieder Tempus Morti" jammerte ein Student, "können wir uns nicht ausführlicher über moralische, ethnische und kulturelle Aussagen bezüglich der Kolonisierung beziehungsweise Annektion der fünf Planeten des Pangäa-Ringes unterhalten?"
"Eine gute Idee, das können wir dann in 2 Wochen machen" sagte der Vorlesende. "Damit seid ihr entlassen".
"Der Pangäa-Ring" grübelte Amelia fröhlich, als sie durch die langen und lichtdurchfluteten Gänge der Universität ging, vorbei an zahlreichen Studenten. "Ich würde gern einmal auf einem dieser Planeten sein, ob man es spüren kann dort...? Vielleicht nimmt er mich eines Tages ja mit..."
In diesem Augenblick holte sie der junge Student von vorhin ein und begrüßte sie freundlich. Dies riss sie aus ihrem Gedankengang und sie betrachtete den Student mit einem fragendem Blick.
"Ähm ja, ich bin nicht gut in sowas, aber, ich wollte mal fragen ob du Lust hast mit mir auszugehen? Wir könnten ja Essen gehen zum Beispiel".
Das hatte Amelia nicht erwartet. Sie dachte, der Student wollte noch weiter über Schicksal diskutieren und langsam öffnete sie ihre schlagbereite Faust wieder zu einer freundlicheren Faust. Einer verlegenen Faust.
"Klar warum nicht, du ladest mich aber ein" antwortete sie ihm.
"Natürlich!" stammelte der junge Student.
"Vorher will ich dich aber noch was fragen" sagte Amelia, als sie durch den Eingang des Gebäudes nach draußen schritten und von hellen Sonnenstrahlen begrüßt wurden.
"Ja?" fragte der Student.
"Für wie alt hältst du mich?" fragte die sadistische Amelia und musste sich ein Lachen verkneifen.
Der junge Student wurde merklich noch verlegener und schüchterner, als seine Wangen langsam rot werden, er versuchte gute Schätzungen zu erdenken und schließlich vorsichtig fragte:
"568 Jahre?"
Amelia zog eine Augenbraue verwundert hoch.
"Du Charmeur." sagte sie zu ihm, "Nein, ich bin 840 Jahre alt".
"Wow" sagte der junge Student, als sie sich dem Ausgang des Universitätskomplexes näherten "das merkt man dir garnicht an".
"Danke. Wir bekommen die besten genmutierenden und neuroblockenden Mittel, weil mein Vater beim Militär beschäftigt ist. Ich denke sogar teilweise Prototypen, natürlich vorher getestet, die die Lebenserwartung noch einmal hinaufschrauben. Wer weiß, irgendwann sterben wir garnicht mehr" antwortete sie ihm.
"Ob das nicht gegen Gottes Wille ist?" fragte der Student.
"Gott ist tot" antwortete Amelia, "wir haben ihn getötet, als wir begonnen haben die Regeln der Natur zu brechen und uns unsere eigenen Regeln geschaffen haben".
"Das klingt so, als wäre es schlecht" sagte der Student.
Amelia blieb daraufhin stehen und drehte sich energisch in Richtung des Studenten um. Dann zeigte sie gen Himmel in eine bestimmte Richtung in der, wenn man genau hinsah, ein grünes Kraftfeld mitten am Himmel zu sehen war.
"Vielleicht ist auch das Gottes Rache dort oben, oder was meinst du?!" sagte sie lauter, so dass sich manche Studenten zur ihr umdrehten und sie verwundert ansahen.
"Hm, eigentlich war das ein Angriff einer anderen Rasse mit einer..."
"Ich weiß was das war!" sagte sie noch immer laut, "mein Vater hat gegen sie gekämpft und sie ausgerottet als Rache. Doch das Ding da oben bleibt noch immer und wir wissen nicht, was wir dagegen tun sollen. Und wenn wir nicht bald etwas finden, wird es uns sicherlich vernichten. Vielleicht ist das Gottes Rache, dass er diese Rasse dazu bewegt hat und dieses Ding neben uns geschaffen, wer weiß das schon. Ich spekuliere nun mal gern."
"Okay" sagte der junge Student verwirrt und hoffte, dass sich die Situation wieder legen würde. Er blickte kurz noch einmal gen Himmel in Richtung des grünen Kraftfeldes. Das war wirklich ein großes Problem, mit dem sie bald umgehen müssten. Das konnte nicht ewig so weitergehen.
Beim Tor des Universitätsgeländes angelangt, blickte der junge Student kurz auf seine Uhr.
"Oh, die Sonne wird bald untergehen und es wird dunkel. Soll ich dich nach Hause bringen?"
Amelia seufzte.
"Nein danke" sagte sie, "das schaff ich schon allein".
"Gut, dann sprechen wir uns noch wegen dem Treffen?" fragte der Student noch einmal sicherheitshalber nach.
"Klar, treffen wir uns morgen beim Schild der Universität" antwortete ihm Amelia, winkte kurz und ging fort.
Der junge Student lächelte und sah sich kurz noch einmal das Schild an, dass möglicherweise bald ein Teil seiner Zukunft werden könnte. Er hatte es zwar schon oft gesehen, doch noch nie richtig angesehen. So wie Wahrzeichen in der Stadt in der man geboren wurde. Man sieht sie oft und irgendwann bleibt man davor stehen und fragt sich, ob es schon immer so schön ausgesehen hatte.
Schließlich ging der junge Student ebenfalls nach Hause und ließ das Schild alleine zurück.
Auf dem Schild war ein Buch abgebildet, dass generell als Symbol für Wissen gesehen wurde, auch wenn es antik war, Wissen in Büchern zu speichern.
Unter dem Schild stand in goldenen Lettern:

Planetare Hauptuniversität
Eridu.
Qbert - 29. Nov, 08:32

Austauschstudent

"wir haben ihn getötet, als wir begonnen haben die Regeln der Natur zu brechen und uns unsere eigenen Regeln geschaffen haben".
"Das klingt so, als wäre es schlecht" sagte der Student.

--> ist er ein Austausstudent? g
weil irgendwie ist die information zu umfassend für jemand, der das auch wissen müsste *g*

Krake

Das Meeresfrüchtchen

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